Von beiden Ehegatten genutztes Arbeitszimmer ist je zur Hälfte abzugsfähig

By Kiener & Ege Steuerberater GbR, Privatpersonen, Selbstständige

Nutzen Ehegatten gemeinsam ein häusliches Arbeitszimmer für ihre jeweilige betriebliche
oder berufliche Tätigkeit, können sie die Aufwendungen und den Höchstbetrag von 1.250 EUR jeweils nur
zur Hälfte geltend machen. Dies hat das Finanzgericht (FG) Münster entschieden.
Der Kläger war hauptberuflich als Arbeitnehmer beschäftigt und daneben als Versicherungsmakler
gewerblich tätig. Die Klägerin unterhielt ausschließlich einen Gewerbebetrieb als Versicherungsmaklerin.
Beide Eheleute nutzten in ihrer zusammen angemieteten Wohnung einen Raum als gemeinsames
Arbeitszimmer und machten die Aufwendungen hierfür in ihrer Steuererklärung geltend. Das Finanzamt
erkannte lediglich den Höchstbetrag von 1.250 EUR bei den Einkünften des Klägers aus
nichtselbstständiger Arbeit und im Übrigen keine Aufwendungen für das Arbeitszimmer an.

Hälftige Kosten für das Arbeitszimmer als Betriebsausgabe…
Die Klage hatte teilweise Erfolg. Das FG Münster entschied mit Urteil vom 15. März 2016 (Az. 11 K
2425/13 E,G), dass die Klägerin die hälftigen Kosten für das Arbeitszimmer als Betriebsausgaben abziehen
könne. Eine Beschränkung greife nicht, weil das Arbeitszimmer den Mittelpunkt ihrer gesamten
betrieblichen und beruflichen Betätigung darstelle. Dabei schätzte das Gericht den Nutzungsanteil der
Eheleute mangels anderer Anhaltspunkte auf jeweils 50 Prozent.

…plus hälftiger Höchstbetrag
Demgegenüber seien die auf den Kläger entfallenden Aufwendungen nicht vollständig abzugsfähig, weil
der Mittelpunkt seiner gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit nicht im Arbeitszimmer liege.
Vielmehr führe er im Schwerpunkt im Rahmen seiner nichtselbstständigen Tätigkeit Schulungen und
Mitarbeiter-Coachings durch. Da ihm sein Arbeitgeber für die Bürotätigkeiten keinen Arbeitsplatz zur
Verfügung gestellt habe, könne der Kläger insgesamt nur 1.250 EUR für das Arbeitszimmer geltend
machen. Allerdings entfalle auf seinen Anteil am Arbeitszimmer nur der hälftige Höchstbetrag von 625
EUR, weil die Abzugsbeschränkung objektbezogen zu verstehen sei. Dieser Betrag sei jeweils zur Hälfte
den gewerblichen und den nichtselbstständigen Einkünften des Klägers zuzuordnen.

Der Senat hat die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.