Steuertipps

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Vermögensteuer: Der falsche Weg

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Wer mehr umverteilen will, der sollte es richtig machen. Eine kluge Erbschaftsteuer wäre weniger schädlich für den Standort und einfacher umzusetzen als eine Vermögensteuer.

Eine Vermögensteuer ist politisch verlockend. Millionäre sollen zahlen, nicht aber die breite Masse. „Unser Slogan ist ein Prozent für hundert Prozent – ein Prozent Vermögensteuer macht die Menschen nicht arm, aber hundert Prozent der Kinder reicher“, so erläuterten im Dezember 2002 die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel, ihren gemeinsamen Vorstoß für die Wiedereinführung der seit 1997 ausgesetzten Vermögensteuer. Genutzt hat es ihnen freilich wenig; beide wurden trotz des populistischen Vorstoßes bei den nächsten Wahlen aus ihren Ämtern gewählt.

Nun holt die SPD unter neuer Führung diese offenbar unwiderstehliche Versuchung aus der steuerpolitischen Abstellkammer. Der Parteitag beschloss eine Ein-Prozent-Steuer für Vermögen ab zwei Millionen Euro. Für ein verheiratetes Paar mit einem Vermögen von 4,2 Millionen Euro betrüge die Abgabe 166 Euro im Monat, formuliert es die Partei beschönigend. Die Vermögensteuer sei eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Nicht nur natürliche Personen, sondern auch juristische sollen Vermögensteuer zahlen, so der Plan. Doppelbesteuerung soll aber vermieden werden.

Die Rufe der SPD und der Partei DIE LINKE nach der Vermögensteuer sind so alt wie das einschlägige Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das am 22. Juni 1995 (2 BvL 37/91) beschlossen hatte, dass die Steuer in ihrer damaligen Form ab 1997 nicht mehr erhoben werden durfte. Der Grund: Die ungleiche Behandlung verschiedener Vermögensarten.

Nun mag die Vermögensteuer in weiten Teilen der Bevölkerung populär sein, weil die große Masse der Bürger sie nicht zahlen muss. Doch dabei wird regelmäßig übersehen oder verdrängt, dass diese Steuer gleichermaßen sehr verwaltungsaufwändig und streitanfällig ist. Im vergangenen Jahr wiesen fast alle westdeutschen Bundesländer noch immer Vermögensteuereinnahmen in ihren Haushaltsabschlüssen aus – obwohl die Steuer seit 21 Jahren nicht mehr erhoben werden durfte. Norbert Walter-Borjans, der neue Co-Vorsitzende und ehemalige Finanzminister von Nordrhein-Westfalen, wird das alles wissen und auch die Kosten für die riesige Anzahl zusätzlicher, von den Ländern zu bezahlenden Finanzbeamten kennen.

Das größte Problem der Vermögensteuer ist, dass das steuerpflichtige Vermögen jedes Jahr marktnah neu bewertet werden muss. Dies gilt nicht nur für Wertpapiere und Immobilien, sondern auch für Kunstgegenstände, Oldtimer, Rennpferde, Schmuck oder Uhrensammlungen. Und selbst bei Aktien stellt sich die Frage nach dem Bewertungsstichtag. Wer zum Jahresstart alles auf das falsche Unternehmen gesetzt hat, der hat womöglich zum Jahresende so gut wie nichts mehr.

Ein weiteres Problem ist die Ungleichbehandlung bei der Altersvorsorge. So muss ein Selbstständiger selbst fürs Alter ansparen und – wenn er die Möglichkeiten des Vorsorgesparens im Rahmen der Basisrente ausgeschöpft hat – vermögensteuerpflichtiges Vermögen bilden. Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung oder an die berufsständischen Versorgungswerke bleiben hingegen ebenso steuerfrei, wie die teilweise recht beachtlichen Pensionsansprüche von Politikern, Hochschulprofessoren oder Spitzenbeamten, deren Barwerte durchaus Millionenwerte erreichen können.

Die Vermögensungleichheit ist größer geworden

Zweifellos ist es unstrittig, dass in Deutschland die Vermögen sehr ungleich verteilt sind, und zwar auch im Vergleich zu anderen ähnlich entwickelten Volkswirtschaften. Nicht ohne Grund schrieb der einer linken Ideologie unverdächtige Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in seinem Jahresgutachten 2016/17: „Die ausgewiesene Verteilung der Nettovermögen offenbart, dass sich die große Masse der Vermögen auf relativ wenige Haushalte konzentriert. Im Jahr 2014 verfügten die reichsten zehn Prozent der Haushalte in Deutschland über 60 Prozent des gesamten Nettovermögens. Dagegen besaß die untere Hälfte lediglich drei Prozent des Nettovermögens.“

Das hohe Ausmaß der Vermögensungleichheit in Deutschlandhängt zum einen mit den vielen sehr erfolgreichen, oft familiengeführten deutschen Unternehmen zusammen, deren Betriebsvermögen nicht selten schon seit mehreren Generationen stetig gewachsen ist. Viele der wirklich großen Vermögen in Deutschland sind solche Betriebsvermögen. Zum anderen sind gerade in der zurückliegenden Dekade die Vermögenspreise sehr kräftig gestiegen.

Wer rechtzeitig in Aktien oder Immobilien investierte, der konnte sein Vermögen binnen einer Dekade leicht verdoppeln. Wer kein Vermögen besitzt oder auf Sparverträge setzte, an dem ging der auch durch die Niedrigzinspolitik der EZB beförderte Boom bei diesen Vermögenswerten vorbei. Zudem nahm Deutschland in den vergangenen Jahren sehr viele Zuwanderer auf, von denen die allermeisten praktisch vermögenslos waren; die migrationsbedingt steigende Bevölkerung forcierte daher statistisch die Vermögensungleichheit.

Die Erbschaftsteuer könnte für einen Ausgleich sorgen

Es gibt daher gute Gründe, für eine stärkere Umverteilung der Vermögen zu sein. Nicht umsonst mahnten drei Verfassungsrichter in ihrem Sondervotum zum Erbschaftsteuerurteil (1 BvL 21/12) Ende des Jahres 2014 an: „Die Erbschaftsteuer dient nicht nur der Erzielung von Steuereinnahmen, sondern ist zugleich ein Instrument des Sozialstaats, um zu verhindern, dass Reichtum in der Folge der Generationen in den Händen weniger kumuliert und allein aufgrund von Herkunft oder persönlicher Verbundenheit unverhältnismäßig anwächst. (…) Die Schaffung eines Ausgleichs sich sonst verfestigender Ungleichheiten liegt in der Verantwortung der Politik – nicht in ihrem Benehmen.“

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schätzt, dass jährlich Vermögen im Wert von etwa 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt werden. Angesichts eines Aufkommens der Erbschaft- und Schenkungsteuer von etwas mehr als sechs Milliarden Euro entspricht die effektive Belastung 1,5 Prozent. Das geltende Erbschaftsteuergesetz sieht zwar sehr hohe Steuersätze von bis zu 50 Prozent vor.

Doch in der Praxis wird niemand derart hoch belastet. So erbten im vergangenen Jahr etwa 600 Deutsche jeweils mehr als zehn Millionen Euro. Insgesamt erhielten diese Großerben 31 Milliarden Euro – und zahlten darauf im Schnitt fünf Prozent Erbschaftsteuer. Zwei Drittel dieser Großerben zahlten aber gar nichts, vor allem dank der sehr großzügigen Regelungen für Betriebsvermögen.

So ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis das aktuelle, am 1. Juli 2016 im Kraft getretene Erbschaftsteuergesetz wieder vor dem Verfassungsgericht landen wird. Wenn die SPD wirklich etwas gegen die Vermögensungleichheit tun will, dann sollte sie nicht auf ein neuerliches Urteil aus Karlsruhe warten, sondern auf eine Erbschaftsteuerreform pochen,die ihren Namen auch wirklich verdient.

So könnte die Erbschaftsteuer reformiert werden

Ziel einer solchen Reform sollten hohe Freibeträge, niedrige Steuersätze und vor allem eine breite, nicht durch einen Wust von Ausnahmen erodierte Bemessungsgrundlage sein. Der große Vorteil der Erbschaftsteuer gegenüber der Vermögensteuer ist, dass das Vermögen nicht jedes Jahr bewertet werden muss, sondern nur etwa alle 40 Jahre, wenn es auf die nächste Generation übertragen wird. Dabei erhöht eine Erbschaft zweifelsohne die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Erben.

Durch hohe Freibeträge sollte die Finanzverwaltung von Kleinfällen entlastet werden und müsste sich nicht mehr darum kümmern, wenn 25.000 Euro außerhalb der direkten Verwandtschaftslinie verschenkt oder vererbt werden. Große Betriebsvermögen sollten dagegen nicht mehr weitgehend steuerfrei übertragen werden können, und etwaige Härten könnten durch großzügige Stundungsregeln vermieden werden. Bei einem Steuersatz von zehn Prozent und einer Streckung über zehn Jahre käme es zu einer jährlichen Belastung des Erben von einem Prozent auf zehn Jahre.

Wer das bereits für Sozialismus hält, der sei an den wichtigsten Vordenker des Liberalismus, John Stuart Mill, erinnert. Der war nämlich der Ansicht, Erbschaften müssten eigentlich an den Staat fallen. Denn der Erbe habe „nichts zur Entstehung des Vermögens beigetragen“. In den meisten Fällen ist da sicher etwas dran. Zur Verringerung der Vermögensungleichheit ist und bleibt nun einmal die Erbschaftssteuer das Instrument der ersten Wahl.

Registrierkassenpflicht: Das ändert sich 2020

By Allgemein, Kanzlei News, Selbstständige, Unternehmen

Betriebe, die mit einer elektronischen Registrierkasse arbeiten, müssen sich 2020 wieder auf Neuerung einstellen: Die Bonpflicht und eine verpflichtende Ausstattung der Kasse mit zertifizierter technischer Sicherheitsausstattung. Das ist jetzt und im neuen Jahr zu beachten.

Bereits seit Beginn des Jahres 2018 trat eine durch das sogenannte Kassengesetz von Ende 2016 verfügte Änderung der Abgabenordnung in Kraft: Seit 1. Januar 2018 kann der Fiskus durch eine Kassennachschau die Korrektheit der Kassenführung spontan unter die Lupe nehmen. Das heißt: Betriebsprüfer dürfen ohne vorherige Ankündigung während „der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeit“ ins Unternehmen kommen und die Kasse überprüfen. Im Fokus stehen Registrierkassen, computergestützte Kassensysteme und der ordnungsgemäße Einsatz des elektronischen Aufzeichnungssystems genauso wie offene Ladenkassen. Die Maßnahme soll Unternehmer davon abschrecken, durch Betrügereien bei der Kassenführung Steuern zu hinterziehen.

Praxis-Tipp: Die Kassen-Nachschau wird, je nachdem welche Feststellungen der Prüfer hat, in einer Betriebsprüfung enden oder das Finanzamt ist zufrieden und sieht von einer umfassenden Prüfung ab. Um für eine Kassen-Nachschau gewappnet zu sein, empfiehlt es sich, den Steuerberater mit einer Tax-Compliance-Prüfung zu beauftragen. Dabei dreht der Berater jeden Stein in der Kassenführung um, lokalisiert steuerliche Mängel und behebt diese.

Registrierkassenpflicht: Diese Neuerungen stehen 2020 an

Doch nicht nur die Neuerungen aus dem Jahr 2018 beschäftigen die Betriebe und Finanzämter noch immer. Ab dem 1. Januar 2020 stehen weitere Änderungen bei der Kassenführung an.

Die gute oder zumindest etwas beruhigende Nachricht zuerst: Die Pflicht zum Jahresanfang nur noch eine Kasse mit zertifizierter technischer Sicherheitsausstattung als steuerlich zulässig einzustufen, wurde aufgeschoben bzw. gilt eine Übergangsfrist bis 30. September 2020. Da die Sicherheitseinrichtung noch nicht auf dem Markt ist, können die Hersteller sie noch nicht einbauen und noch keine entsprechend ausgestatteten Kassen anbieten. Von dieser Neuerung sind nicht nur Kassen betroffen, die ab dem 1. Januar 2020 erworben wurden, sondern auch elektronische Kassen, die sich bereits seit Jahren im Betrieb befinden und nachrüstbar sind.

Als weitere Neuerung 2020 steht die sogenannte Bon-Pflicht bzw. Belegausgabepflicht – und um diese kommt kein Betrieb herum. Konkret bedeutet das, dass jeder Ladenbesitzer seinem Kunden einen Kassenbon in die Hand drücken muss. Wer dieser Pflicht nicht nachkommt, riskiert ein Bußgeld. Es wird davon ausgegangen, dass die Finanzämter Testkäufer losschicken, um die Bon-Pflicht zu kontrollieren und dann die sogenannte Kassen-Nachschau durchzuführen.

Prüfungen des Finanzamts: Auch Kassen von Handwerksbetrieben im Fokus

Petra Seinsche vom Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) berichtet davon, dass die Betriebsprüfer des Finanzamts derzeit oft den Fokus auf formelle Mängel im Umgang mit der Kasse richten und nicht in erster Linie auf die korrekten Buchungen schauen. „Die formellen Anforderungen sind dann besonders hoch, wenn Betriebe eine offene Ladenkasse nutzen“, sagt Petra Seinsche und erklärt, warum diese Möglichkeit der Kassenführung für die meisten kleinen Betriebe zur großen Gefahr werden kann, dass das Finanzamt dann eine Steuerschätzung anordnet. Bei einer offenen Ladenkasse entfallen einige Pflichten wie sie seit 2018 bei den elektronischen Registrierkassen gelten. Das Finanzamt schaut dennoch sehr genau hin, wie Umsätze verbucht werden.

Die Prüfungen laufen nach Erfahrung der ZVA-Mitarbeiterin meist so ab, dass Testkäufer in den Laden kommen und versuchen die Fehler zu entdecken. Ab dem kommenden Jahr werden diese Testkäufer des Finanzamts dabei voraussichtlich besonders genau darauf achten, ob sie tatsächlich einen Kassenbon bekommen. Denn ab 1. Januar 2020 greift die Bonpflicht.

Der ZVA begrüßt zwar, dass weitere Pflichten wie die Nutzung einer elektronischen Registrierkasse, die mit einer technischen Sicherheitseinrichtung ausgestattet ist, mit einer längeren Übergangsfrist versehen wurde und bis September 2020 ein Nichtanwendungserlass gilt. „Diesen Erlass gibt es allerdings erst seit November 2019 und bis dahin wusste kein Betrieb, wie er ab Januar die Pflichten erfüllen soll, wenn die Technik noch gar nicht verfügbar ist“, beschwert sich Petra Seinsche über das zeitlich sehr knappe Vorgehen des Ministeriums. Sie gibt Betrieben als Tipp mit auf den Weg: „Wer sich jetzt eine neue Kasse kaufen möchte, sollte auf jeden Fall darauf achten, dass sie mit der technischen Sicherheitseinrichtung nachrüstbar ist.“

Was ist bei einer Kassennachschau zu tun?

Steht der Finanzbeamte in der Tür, müssen betroffene Unternehmer Aufzeichnungen, Bücher und weitere, für die Kassenführung maßgebliche Unterlagen zur Verfügung stellen oder entsprechenden elektronischen Datenzugriff gewähren. Eventuell entstehende Kosten für die Verfügbarmachung oder Übermittlung elektronischer Daten trägt der geprüfte Betrieb.

Die Prüfer dürfen zudem Privat- und Wohnräume gegen den Willen des Inhabers betreten – allerdings nur zur Verhütung „dringender Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung“. Befinden sich Daten zum Zeitpunkt der Prüfung bei Dritten – etwa einem externen Buchhalter -, muss dieser ebenso Einsicht gewähren. Eine Ausnahme gilt hier für Steuerberater oder Notare. Diesen muss der Fiskus die Prüfung ankündigen.

Vor allem Handwerker mit Ladengeschäften oder öffentlichem Kundenverkehr sollten außerdem beachten: Die Beobachtung der Kassen und ihre Benutzung ist in Geschäftsräumen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, zulässig, ohne dass sich der Finanzbeamte als solcher zu erkennen gibt. Der Prüfer kann sich also als Kunde tarnen und Testkäufe durchführen, um eventuelle Unstimmigkeiten aufzudecken

Vorschriften für die offene Ladenkasse 

Auch für offene Ladenkassen – die weiterhin zulässig sind – gelten schon seit 1. Januar 2018 verschärfte Regeln. Hier kann der Beamte einen Kassensturz verlangen und sich die Aufzeichnungen der Vortage vorlegen lassen. Die Tageseinnahmen müssen bis auf den Cent genau im Kassenbericht dokumentiert sein. Obwohl der Gesetzgeber strenge Vorgaben für die offenen Kassen macht, sind Zählprotokolle allerdings nicht verpflichtend.

Generell gilt: Kommt es bei der Kassennachschau zu Beanstandungen, kann ohne vorherige Prüfungs­anordnung zu einer Außenprüfung übergegangen werden. Nicht ordnungsgemäß verzeichnete Einnahmen führen im schlimmsten Fall zu Zuschätzungen, die Steuernachzahlungen zur Folge haben können. Bei groben Verstößen droht ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung.

Offene Ladenkasse: Beispiel für einen Kassenbericht

Tagesendbestand
– Anfangsbestand (Kassenbestand am Ende des Vortages)
= Zwischensumme (Saldo aus Tageseinnahmen und Tagesausgaben)
+ Kassenausgaben des Tages
+ Geldtransit auf das betriebliche Konto oder weitere Kassen
+ Privatentnahmen
– Privateinlagen
– sonstige Tageseinnahmen
= Summe der Kasseneinnahmen

Achtung: Bei offener Ladenkasse sollten Kassenbuch und Kassenbericht mit einer Software geführt werden, die keine Änderungen in den Eintragungen erlaubt. Die Verwendung von Tabellenkalkulationsprogrammen wie MS Excel wird in der Regel als „nicht ordnungsgemäße“ Führung beanstandet.

Vor allem bargeldintensive Gewerke wie Metzger, Bäcker oder Optiker sollten sich entsprechend vorbereiten: Besprechen Sie mit Ihrem Steuerberater, welche Punkte bei einer Kassennachschau abgefragt werden können und wo eventuell bei Ihnen Schwachstellen liegen. Erstellen Sie zudem einen Plan, wo entsprechende Unterlagen, digital oder in Papierform, aufbewahrt werden. Zudem sollten Sie bei Verwendung elektronischer Kassen eine Verfahrensdokumentation dieses Systems bereithalten, aus der Inhalt, Aufbau, Ablauf und Ergebnisse des Datenverarbeitungsverfahrens vollständig und schlüssig ersichtlich sind.

Wer ist von der Registrierkassenpflicht betroffen?

Zunächst einmal muss betont werden, dass es keine grundsätzliche Pflicht gibt, überhaupt eine elektronische Kasse einzusetzen. Betriebe, die eine offene Ladenkasse führen, können nicht gezwungen werden, eine elektronische Kasse zu kaufen.

Betriebe, die jedoch ein elektronisches Kassensystem nutzen, sind von der Registrierkassenpflicht betroffen. Alle Unternehmen, in denen bargeldintensiv abgerechnet wird, sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die genutzte Kasse den verschärften Vorschriften entspricht. Kassensysteme, die den folgenden Anforderungen nicht entsprechen, müssen so schnell wie möglich angepasst werden. Ist eine Anpassung nicht möglich, muss die Kasse durch eine neue ersetzt werden.

Grundsätzlich muss jeder Umsatz künftig einzeln elektronisch erfasst, gespeichert und archiviert werden. Ab 2020 ist außerdem eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung vorgeschrieben.

Elektronische Registrierkasse: Das erwartet das Finanzamt

Bei Bargeld sind die Prüfer des Finanzamtes von vorneherein skeptisch – die Möglichkeit, hier den einen oder anderen Euro am Fiskus vorbei zu schmuggeln, ist recht hoch. Darum verlangt das Finanzamt einiges von Ihrer Registrierkasse. Sollten Sie die folgenden Regeln nicht einhalten, müssen Sie bei der nächsten Prüfung mit Hinzuschätzungen rechnen – die Höhe liegt dabei im Ermessen des Prüfers.

Zunächst muss Ihre Kasse einen sogenannten Z-Bon erstellen können. Als Z-Bon bezeichnet man einen Bon, auf dem der tägliche Kassenabschluss ausgedruckt wird. Gleichzeitig muss dann Ihr Kassenbestand auf null gesetzt werden. Die Z-Bons müssen automatisch fortlaufend nummeriert werden. Der Bon muss mindestens die folgenden Angaben beinhalten, die auch im Kassensystem gespeichert werden müssen:

  • Für welches Geschäft / Unternehmen der Bon erstellt (also die Kasse abgerechnet) wurde.
  • Datum und Uhrzeit der Erstellung des Z-Bons.
  • Die Bruttoeinnahmen des Tages (getrennt nach Umsatzsteuer-Sätzen).
  • Die vom System automatisch vergebene Z-Bon-Nummer (anhand dieser kann der Prüfer kontrollieren, ob alle Bons vorliegen).
  • Auflistung von vorgenommenen Stornierungen.
  • Bestätigung, dass der Tagesspeicher auf null gesetzt wurde.

Der Z-Bon stellt für Sie eine wesentliche Vereinfachung dar, da Sie hier die Gesamtsummen ins Kassenbuch übernehmen dürfen. Neben den Angaben, die auf dem Z-Bon enthalten sind, muss die Kasse die folgenden Daten jederzeit zur Verfügung stellen können:

  • Die Gesamtsumme der Brutto-Einnahmen.
  • Zusammenstellungen von Stornierungen, Retouren und Kassenentnahmen.
  • Darstellungen der einzelnen Positionen und die Art der Zahlung (Bar-, Scheck- oder Kreditkartenzahlung).

Die gespeicherten Daten müssen manipulationssicher sein. Nachträgliche Veränderungen müssen ausgeschlossen sein. Außerdem müssen die Daten jederzeit für den Prüfer des Finanzamts abrufbar und lesbar sein.

Doch damit noch nicht genug. In der Kasse müssen Bedienungs- und Programmieranleitungen hinterlegt und jederzeit einsehbar sein. Außerdem müssen alle Programmeinrichtungen und –änderungen aufgezeichnet werden.

Was tun, wenn die Registrierkasse nicht alles kann?

Sie sehen, es gibt eine ganze Reihe an Anforderungen, die der Fiskus an Ihre Kasse stellt. Was aber, wenn die vorhandene Registrierkasse hierzu nicht in der Lage ist? Dann kommt es darauf an, ob man mit einem Software-Update erreichen kann, dass die Kasse die fiskalischen Anforderungen entspricht. Wenn dies der Fall ist, müssen die entsprechenden Updates sofort umgesetzt werden. Sie sollten deshalb beim Händler, bei dem Sie die Kasse gekauft haben, nachfragen, ob entsprechende Updates vorliegen und diese möglichst bald aufspielen.

Ist eine Anpassung an die beschriebenen Voraussetzungen nicht möglich, muss eine neue Registrierkasse gekauft werden, denn bei einer Prüfung müssen Sie aber damit rechnen, dass der Prüfer besonders penibel sein wird.

Wenn Sie eine neue Registrierkasse kaufen, muss diese die Anforderungen des Fiskus erfüllen. Lassen Sie sich dies am besten vom Verkäufer schriftlich garantieren.

Typische Kassen-Fehler vermeiden

Bei Bargeschäften schaut der Fiskus genau hin. Auf folgende Punkte achten Prüfer:

  • Die Aufzeichnungen müssen vollständig und glaubhaft sein, alle Belege lückenlos erfasst. Auch bei Privatentnahmen und -einlagen muss ein Beleg vorliegen.
  • Barbelege, die erst beim Jahresabschluss über ein Privatkonto nachgebucht werden, machen die Kassenführung angreifbar.
  • Die Kasse muss jederzeit kassensturzfähig sein.
  • Eine Kasse kann niemals negativ sein. Negative (Zwischen-)Salden weisen auf Fehler beim Erfassen hin.
  • Vermehrte Überschreibungen, Änderungen und Streichungen im Kassenbuch können zur Verwerfung der Buchführung führen.
  • Einnahmen und Ausgaben sind in der richtigen Reihenfolge des Datums zu erfassen.
  • Diebstahl und Unterschlagung müssen dokumentiert werden (etwa durch Nachweis einer Strafanzeige gegen Unbekannt oder Abmahnung des Personals).
  • Bei Geldtransit zwischen Kasse und Bank muss das Datum stimmen. Ein Zugang ist in der Kasse etwa an dem Tag zu verzeichnen, an dem das Geld abgehoben wurde (nicht Datum der Wertstellung).
  • Bei offenen Kassen müssen die Tageseinnahmen centgenau im täglich zu erstellenden Kassenbericht dokumentiert sein und dürfen nicht gerundet werden. Ab 2017 ist zusätzlich ein Zählprotokoll verpflichtend.

Welche elektronischen Kassensysteme gibt es?

Man unterscheidet zwischen nummerischen, alphanummerischen Kassen und PC-Kassensysteme. Darüber hinaus gibt es noch sogenannte POS-Systeme, die vom Kunden selbst bedient werden (POS = Point of Sale – Ort des Verkaufs), die sich bei uns jedoch noch nicht durchgesetzt haben.

Grundsätzlich sollte eine Kasse eine Schnittstelle zur DATEV besitzen. Dies wird Ihnen die Buchführung vereinfachen und einiges an Zeit einsparen.

1. Die nummerische Kasse

Eine nummerische Kasse ist ein eher veraltetes System, das nur Zahlen auswerfen kann. Die Kassen sind zwar preiswert, bieten aber einen nur eingeschränkten Leistungsumfang und dürften in fast allen Fällen den neuen Bestimmungen nicht mehr genügen. Da man hiermit noch nicht einmal fiskalisch anerkannte Rechnungen oder Quittungen erstellen kann, können Sie diese eigentlich nur noch bei Festen als Reservekasse einsetzen, deren Daten dann später in die Hauptkasse übernommen werden.

2. Die alphanummerische Kasse

Alphanummerische Kassen können auch Text ausgeben und sind in vielen Bereichen alten PC-Kassen (DOS-Kassen) überlegen. Meist können diese Kassen auch die Umsatzsteuer und den Nettobetrag auswerfen, wie es seit Juli 2004 vorgeschrieben ist. Sie liegen im mittleren Preissegment. Die besseren (aber auch teureren) Geräte können auch mit Scannern zum Einlesen von Barcodes genutzt werden und an einen PC angeschlossen werden, wodurch es ermöglicht wird, die hohen Anforderungen an Registrierkassen zu erfüllen.

3. Das PC-Kassensystem

PC-Kassensysteme sind grundsätzlich die beste Lösung – allerdings auch die teuerste. Sie bestehen aus einer Zentraleinheit (PC bzw. Rechner), einem Kassendrucker, einer Kassenschublade, einer Bedieneranzeige oder einem Bediener-Bildschirm (auch Touchscreen genannt), einer Kundenanzeige, Eingabe-Tastatur, einem Scanner und dem Betriebssystem sowie der Kassensoftware.

Diese Systeme werden auch vom Fiskus äußerst gern gesehen, da sie über manipulationssichere Speicher verfügen, die nur vom Betriebsprüfer oder dem Finanzamt ausgelesen werden können.

Tipp:  Da das Thema Kassenprüfung – egal ob elektronische Registerkasse oder offene Ladenkasse – immer mehr an Brisanz gewinnt und bei Betriebsprüfungen immer häufiger zu Konfrontationen mit dem Finanzamt führt, sollten Inhaber das Thema Kassenführung zur Chefsache machen.  Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Steuerberater, schulen Sie geeignetes Personal und geben Sie dieser Thematik höchste Priorität.

Spätestens seit 1. Januar 2018 kommt nämlich die Kassennachschau, bei der der Prüfer unangemeldet vor der Türe stehen und die Kassendaten fordern kann. Bis dahin sollten Sie Ihre steuerliche Kassenführung auf Vordermann gebracht haben.

Registrierkassenpflicht: Darauf müssen Sie bei der Kassenführung achten

Grundsätzlich müssen alle Kassenbewegungen täglich im Kassenbuch erfasst werden. Die rückwirkende Erfassung ist zwar bei vielen Kassen möglich, führt aber dazu, dass es sich beispielsweise bei einer wöchentlichen Erfassung um einen Formfehler handelt, der vom Prüfer beanstandet wird.

Wie bei allen Buchungen gilt auch für die Kasse, dass keine Erfassung ohne Beleg erfolgen darf. Für die Verkäufe erstellt die Kasse automatisch einen Beleg (Kassenbon). Für andere Einnahmen oder Ausgaben müssen Sie Belege sammeln. Sollte keiner vorliegen, können Sie auch einen sogenannten Eigenbeleg erstellen. Die Zahl der Eigenbelege sollte jedoch so klein wie möglich gehalten werden.

Die Belege sind fortlaufend zu nummerieren. Es darf keine Lücken geben. Die Nummerierung muss mit den Eintragungen im Kassenbuch übereinstimmen.

Der „Sollbestand“ in der Kasse muss dem „Istbestand“ entsprechen

Aus dem Kassenbuch ergibt sich der „Sollbestand“ (also wie viel Geld in der Kasse sein soll). Dieser muss mit dem Istbestand (also das, was in der Kasse wirklich ist) übereinstimmen. Hierzu ist täglich der Bestand der Kasse zu zählen und mit dem Sollbestand laut Kassenbuch zu vergleichen. Bei Differenzen, die bei Bargeschäften leider immer wieder vorkommen können, muss die Differenz nachweisbar ausgewiesen werden. Gleichen Sie auf keinen Fall die Differenzen aus, indem Sie bei Überschüssen Geld aus der Kasse entnehmen und bei Fehlbeträgen das Geld wieder einzahlen. Auch die Prüfer wissen, dass es immer wieder mal zu Abweichungen kommt und werden äußerst skeptisch, wenn Ihre Kasse immer stimmt.

Der Kassenbestand darf nicht ins Minus gehen

Können Sie noch Geld entnehmen, wenn keines mehr in der Kasse ist? Natürlich nicht – deshalb darf es auch nie einen Kassenbestand im Minus geben. Das ist der klare Hinweis, dass hier Fehler gemacht wurden, die es sofort aufzuklären gilt. Eine häufige Fehlerquelle sind Privateinlagen oder –entnahmen, die Sie nicht sofort erfasst und belegt haben.

Kasseneinnahmen oder –ausgaben werden immer mit dem Datum des tatsächlichen Geldflusses erfasst. Haben Sie beispielsweise Ausgaben fürs Geschäft aus eigener Tasche bezahlt und nehmen sich erst am nächsten Tag das Geld aus der Kasse, erfassen Sie dies mit dem Datum der Geldentnahme und nicht mit dem Datum des Beleges.

Kartenzahlungen dürfen nicht im Kassenbuch erscheinen. Hierbei handelt es sich um unbare Zahlungen.

Ausnahmeregel für Einzelhändler beim Verkauf von Waren mit geringem Wert

Grundsätzlich gilt, dass für jede Einnahme oder Ausgabe eine einzelne Aufzeichnung erfolgen muss. Hier gibt es allerdings eine Ausnahmeregel: Als Einzelhändler, der im Allgemeinen Waren von geringem Wert an normalerweise nicht bekannte Kunden über den Ladentisch verkauft, müssen Sie die Kasseneinnahmen nicht einzeln aufzuzeichnen, wenn der einzelne Betrag 10.000 EUR nicht übersteigt.

Diese Ausnahme gilt allerdings nicht, wenn Sie beispielsweise einen Partyservice betreiben und ein Buffet verkaufen. Da Ihnen hier der Kunde grundsätzlich bekannt ist, müssen Sie diese Einnahmen auch für sich erfassen.

Wichtig ist, dass Sie alle Z-Bons (siehe oben) lückenlos aufbewahren. Werfen Sie also Fehlbons auf keinen Fall weg – wenn die Nummerierungskette der Bons unterbrochen ist, wird der Prüfer des Finanzamtes stutzig. Zwischensummenbons nutzen Ihnen hier nichts, da diese nicht nummeriert sind. Etwaige Stornobuchungen auf den Z-Bons sollten Sie möglichst sofort auf dem Kassenzettel erläutern.

Registrierkasse: Was Sie aufbewahren müssen

Die folgenden Kassenunterlagen müssen Sie archivieren und zehn Jahre aufbewahren:

  • Kassenbücher und Aufzeichnungen, sowie die zu ihrem Verständnis erforderlichen Arbeitsanweisungen
  • Originalbelege
  • Z-Bons
  • Organisationsunterlagen die zur Registrierasse gehören, insbesondere die Bedienungsanleitung,
  • die Programmabrufe nach jeder Änderung (u.a. der Artikeleinzelpreis),
  • Protokolle über die Einrichtung von Verkäufern, Trainingsspeicherdaten usw.
  • alle internen Einweisungen zur Kassenprogrammierung.
  • Kalkulationsgrundlagen

Die Kassenrollen müssen hingegen nicht archiviert werden.

Wenn Sie diese Punkte zu den elektronischen Kassensystemen berücksichtigen, sollten Sie ab jetzt keine Probleme mit der neuen Registrierkassenpflicht haben.

Registrierkassen: Die neuen Anforderungen im Überblick

Seit 1. Januar 2018

Unangekündigte Kassen-Nachschau (gemäß § 146b AO) durch das Finanzamt ist jederzeit möglich.

Einführung einer sogenannten Kassennachschau für alle Kassenarten: Prüfer des Finanzamts können dann ohne vorherige Ankündigung im Geschäft die Kasse überprüfen. Auch eine verdeckte Beobachtung (Testeinkauf ohne Zeigen des Dienstausweises) soll möglich sein. Bei der Kassennachschau müssen alle Unterlagen und Daten zur Verfügung stehen. Im Verdachtsfall kann sich daraus eine Betriebsprüfung ergeben.

Seit 1. Januar 2017

müssen Registrier- oder Computerkassenjede einzelne Kassenbewegung

  • elektronisch erfassen,
  • unverdichtet und unveränderbar speichern,
  • über einen Zeitraum von zehn Jahren digital archivieren (entweder in der Kasse selbst oder auf externem Speicher, in beiden Fällen sollte unbedingt ein Backup/Kopie der Daten erstellt werden).

Muss für offene Ladenkassen täglich ein Kassensturz-Protokoll mit Zählliste (Art und Anzahl der Münzen und Scheine) erstellt, unterzeichnet und aufbewahrt werden. Allerdings: Wie der Bundesfinanzhof mit Beschluss vom 16.12.2016, Az. X B 41/16 festgelegt hat, ist ein Zählprotokoll als solches nicht verpflichtend. Wohl aber muss der Kassenbestand bei offener Ladenkasse für die Ausfertigung des Kassenberichts ausgezählt werden (also die Kasse nicht nur rechnerisch geführt werden). Ein Zählprotokoll, das die genaue Stückzahl der vorhandenen Geldscheine und -münzen aufgelistet, wird vom Gesetzgeber nicht ausdrücklich gefordert. In der Praxis (und vor allem im Fall einer Betriebsprüfung) ist die Dokumentation solcher Zählprotokolle nach Ansicht von Steuerberatern aber sehr hilfreich, da so der Nachweis, dass tatsächlich gezählt wurde, erbracht wird. Die Oberfinanzdirektion Karlsruhe empfiehlt, dass bei offener Ladenkasse ein Zählprotokoll geführt werden sollte.

Ab 1. Januar 2020

  • müssen Registrier- oder Computerkassen über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (bestehend aus Sicherungsmodul, Speichermedium und digitaler Schnittstelle) verfügen. Die genaue technische Ausgestaltung ist aktuell noch nicht beschlossen. Es gilt jedoch ein Nichtanwendungserlass dieser Pflicht bis 30. September 2020.

Bis 31. Dezember 2022

  • gilt eine Übergangsregelung für Kassen, die Unternehmer gemäß den Anforderungen des BMF-Schreibens vom 26. November 2010 zwischen November 2010 und 31. Dezember 2019 neu erworben haben, die aber nicht mit einer zertifizierten technischen Sicherheitseinrichtung nachgerüstet werden können. Diese Kassen können noch bis Ende 2022 eingesetzt werden.

Ausnahme Einnahmen-Überschuss-Rechnung

Wer nicht bilanzierungspflichtig ist und den Gewinn durch Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermittelt, ist weiterhin nicht verpflichtet, ein Kassenbuch zu führen. Alle Umsätze sollten aber auch hier lückenlos aufgezeichnet werden.

Betriebsrente: Freibetrag für Krankenkassenbeiträge kommt 2020

By Allgemein, Kanzlei News
Damit Betriebsrenten attraktiver werden, schafft die Bundesregierung die sogenannte Doppelverbeitragung bei der Krankenversicherung ab. Das Bundeskabinett hat einen Freibetrag beschlossen. Das ist ab 1. Januar 2020 geplant.

Krankenkassenbeiträge müssen bisher für die betriebliche Altersvorsorge (bAV) zweimal gezahlt werden: Sowohl die anzusparenden Entgeltbestandteile wie auch die ausgezahlte Betriebsrente unterliegen der Sozialversicherungspflicht. Diese sogenannte Doppelverbeitragung möchte die Bundesregierung künftig reduzieren und Betriebsrentner beim Krankenversicherungsbeitrag entlasten.

Das Bundeskabinett beschloss am Montag im brandenburgischen Meseberg einen entsprechenden Gesetzentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Ab 1. Januar 2020 soll ein Freibetrag von 159,25 Euro gelten. Das heißt: Erst ab dieser Höhe werden Krankenkassen-Beiträge auf die Betriebsrente fällig. Zu zahlen ist der Beitragssatz der jeweiligen Krankenkasse inklusive Zusatzbeitrag.

Krankenkassenbeitrag für Betriebsrentner: Freibetrag ersetzt Freigrenze

Der Freibetrag ersetzt die bisherige Freigrenze in Höhe von 155,75 Euro. Bisher müssen Betroffene auf die komplette Betriebsrente den Beitrag bezahlen, wenn die Rente über der Freigrenze liegt. Das zeigt sich zum Beispiel so: Wer eine Betriebsrente von 318 Euro bezieht, was dem Doppelten des Freibetrags entspricht, muss folglich künftig den halben Krankenkassenbeitrag bezahlen. 60 Prozent der Betriebsrentner bekommen weniger als 318 Euro – sie müssen also künftig höchstens den halben Satz bezahlen.

Auf ihre Betriebsrente müssen die Empfänger der Altersbezüge heute unter anderem den vollen Satz für die Krankenkasse zahlen, derzeit 14,6 Prozent – und nicht nur den Arbeitnehmeranteil von 7,3 Prozent. Dazu kommen der Zusatzbeitrag von derzeit im Schnitt 0,9 Prozent und die Beiträge für die Pflegeversicherung (3,05 Prozent plus 0,25 Prozentpunkte für Kinderlose). Für die Beiträge zur Pflegeversicherung ändert sich nichts, hier gilt weiterhin die Freigrenze.

Dass die Beiträge komplett zu entrichten sind, gilt seit 2004, damals sollten Finanzlöcher bei der Krankenversicherung gestopft werden. Kritiker wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) monieren schon lange die Doppelverbeitragung. Nun soll eine Entlastung von insgesamt 1,2 Milliarden Euro kommen.

Neue Freigrenze: Vor allem Bezieher kleiner Betriebsrenten sollen profitieren

Entlastet werden nun vor allem Bezieher kleiner Betriebsrenten. Wer im kommenden Jahr zum Beispiel 169,25 Euro im Monat Betriebsrente bekommt, soll nur auf 10 Euro statt auf den vollen Betrag Kassenbeiträge bezahlen. Das sind beim Beitragssatz von 14,6 Prozent und einem Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent nur 1,55 Euro – statt mit der Freigrenze 26,23 Euro. Wer 1000 Euro erhält, muss demnach 130,32 Euro bezahlen – statt mit Freigrenze 155 Euro.

Die Kosten werden 2020 vom Gesundheitsfonds, der Geldsammelstelle der gesetzlichen Krankenversicherung, finanziert. Es folgt eine Teilfinanzierung aus dem Fonds, ab 2024 müssen die Krankenkassen die Beitragsausfälle selbst in voller Höhe tragen.

Grundrente: Das ist ab 2021 geplant

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Sie steht im Koalitionsvertrag und soll zum 1. Januar 2021 in Kraft treten: die Grundrente für Geringverdiener. Jetzt hat sich die Große Koalition auf einen Kompromiss geeinigt. Statt einer Bedürftigkeitsprüfung soll es eine „umfassende Einkommensprüfung“ geben.

Die Spitzen der Großen Koalition haben sich auf ein Konzept zur Grundrente geeinigt. Danach sollen alle Rentnerinnen und Renter einen Zuschlag auf die Grundsicherung bekommen, wenn sie 35 Jahre lang Beiträge geleistet haben und ihre Beitragsleistung unter 80 Prozent, aber über 30 Prozent des Durchschnittseinkommens liegt. Gelten soll die Grundrente für Bestands- und Neurentner ab dem 1. Januar 2021, heißt es in einem gemeinsamen Koalitionsbeschluss. Profitieren sollen so rund 1,5 Millionen langjährig rentenversicherte Senioren, darunter vor allem Frauen.

Wie funktioniert die Einkommensprüfung?

Geregelt werden soll der Zugang zur Grundrente über eine Einkommensprüfung, die die Rentenversicherung gemeinsam mit den Finanzämtern vornehmen soll. Eine Grundrente soll es demnach nur für diejenigen geben, deren monatliches Gesamteinkommen bei Alleinstehenden nicht über 1.250 Euro und bei Paaren nicht mehr als 1.950 Euro ausmacht. „Dabei wird das zu versteuernde Einkommen unter Hinzurechnung des steuerfrei gestellten Anteils der Rente und aller Kapitalerträge zugrunde gelegt“, heißt es im Koalitionsbeschluss.

Strittig: Wie soll die Grundrente finanziert werden?

Nach Angabe von CSU-Chef Markus Söder ist mit Kosten von bis zu 1,5 Milliarden Euro pro Jahr zu rechnen. Finanziert werden sollen sie aus den geplanten Einnahmen aus einer Steuer auf Börsengeschäften – der so genannten Transaktionsteuer und aus dem Haushalt von Bundessozialminister Hubertus Heil.

Warum wird die Grundrente so stark kritisiert?

Seit dem Bekanntwerden der Pläne zur Grundrente hat sich auch in der Wirtschaft Widerstand gebildet. Ein besonders starker Kritiker ist der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der sich für eine Grundrente eine wirkliche Bedürftigkeitsprüfung gewünscht hätte.

Arbeitslosenbeitrag soll befristet weiter sinken

Zusätzlich zur Einführung einer Grundrente wurden Erleichterungen für die Wirtschaft vereinbart. So haben die Koalitionäre nun beschlossen, dass der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung befristet bis Ende 2022 auf 2,4 Prozent gesenkt wird, nachdem er zum Jahresanfang von 3,0 auf 2,5 Prozent des Bruttolohnes verringert worden war. Außerdem soll ein Zehn-Milliarden-Euro-Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau aufgelegt werden.

Weniger Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten

Darüber hinaus soll bei Betriebsrenten anstelle der bisher festen Freigrenze von 155,75 Euro pro Monat für Krankenkassenbeiträge künftig ein „dynamisierter“ Freibetrag gelten. Ein Freibetrag also, der sich der allgemeinen Einkommensentwicklung anpasst. Anders als bisher wird so jeder Betriebsrentner von der Entlastung profitieren. „Rund 60 Prozent der Betriebsrentner zahlen damit de facto maximal den halben Beitragssatz, die weiteren 40 Prozent werden spürbar entlastet“, heißt es weiter. Dabei sollen die Mindereinnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro jährlich vollständig aus den Mitteln der GKV finanziert werden.

Wer hat Anspruch auf die Grundsicherung?

Reicht das Einkommen im Alter nicht zur Existenzsicherung, besteht bereits heute Anspruch auf die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts bekamen Ende 2017 rund 544.000 Menschen Grundsicherung im Alter; ähnlich viele bezogen eine Grundsicherung aufgrund von einer Erwerbsminderung. Bundesweit kommen so rund eine Million Menschen zusammen, die von der Grundsicherung leben müssen.

Sie haben einen Anspruch darauf, weil das eigene Einkommen und Vermögen nicht ausreicht, um davon zu leben. Der bundesweite Schnitt in der Grundsicherung liegt bei rund 800 Euro (monatlich 424 Euro für Alleinstehende/382 Euro für zusammenlebende Ehegatten oder Lebenspartner + Kosten für die Wohnung). Die Grundsicherung wird entweder ab dem Erreichen des regulären Rentenalters gezahlt oder bei einer Erwerbsminderung, wenn die gesetzliche Rente in dem jeweils zutreffenden Fall nicht ausreicht.

Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung sollte derjenige oder diejenige mit einem durchschnittlichen Einkommen von weniger als 838 Euro im Monat prüfen lassen, ob er oder sie die Grundsicherung beanspruchen kann. Die gesetzliche Rente und auch Vermögenswerte werden auf die Grundsicherung angerechnet. Dabei gilt seit 2018 für Vermögen jedoch ein Freibetrag von 5.000 Euro und einen Freibetrag für Rentenzahlungen aus einer Riesterrente, die nicht miteinbezogen werden.

Allerdings prüfen die Sozialämter auch das Einkommen von Ehe- oder Lebenspartnern und berücksichtigen es, wenn sie den Grundsicherungsbedarf eines Menschen errechnen. So weist der Vdk Sozialverband darauf hin, dass derjenige mit einem Partner mit gutem Einkommen unter Umständen keinen Anspruch auf die Grundsicherung hat.

Bäcker fürchten fünf Milliarden neue Kassenzettel

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Der Kauf eines Brötchens in einer Bäckerei ist ein relativ unkomplizierter Akt. Wer den Kaufpreis entrichtet, bekommt im Gegenzug die Ware über den Tresen gereicht. Vom nächsten Jahr an soll sich das ändern: Dann gilt die Bonpflicht.

Der Kauf eines Brötchens in einer Bäckerei ist bislang ein relativ unkomplizierter Akt. Wer den Kaufpreis entrichtet, bekommt im Gegenzug die Ware über den Tresen gereicht. Eine Rechnung gibt es in der Regel nur auf Nachfrage, schließlich werden Backwaren selten umgetauscht.

Doch das wird sich bald ändern, denn am 1. Januar 2020 tritt die Belegausgabepflicht in Kraft. Dann ist die Rechnung für jeden Einkauf Pflicht. Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks läuft schon jetzt dagegen Sturm. „Wir reden über Umweltschutz und diskutieren über die Reduktion von Coffee-to-go-Bechern, schaffen dann aber auf der anderen Seite Müllberge aus beschichtetem Papier“, kritisiert der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Daniel Schneider. Von dem Gesetz betroffen sind etwa 11.000 Betriebe mit insgesamt 61.000 Verkaufsstellen. Einer vorsichtigen Schätzung der Bäckerinnung zufolge, würden durch die Ausgabepflicht jährlich fünf Milliarden Kassenbons aus gesundheitlich umstrittenem Thermopapier zusätzlich anfallen.

Aktuell kaum andere Lösungen

Der Grund für die Gesetzesänderung ist der Schutz vor Steuerhinterziehung durch Datenmanipulation. Der Gesetzgeber erhofft sich zudem mehr Transparenz bei der Erfassung von Transaktionen. Die neue Abgabenordnung sieht vor, dass Unternehmen ihren Kunden für jeden Einkauf verpflichtend einen Beleg zur Verfügung stellen müssen.

Dies muss jedoch nicht zwangsläufig im Papierformat geschehen. Auf Anfrage betont das Bundesfinanzministerium, dass die Gesetzesänderung bewusst „technologieneutral“ gehalten ist, sodass sowohl elektronische als auch Belege in Papierform rechtlich zulässig sind.

Es gibt heute schon andere Lösungen als den Papierbon, die jedoch wenig genutzt werden. Bei bargeldlosen Transaktionen wäre zum Beispiel eine Belegausgabe über das Smartphone oder die Email-Adresse denkbar. Allerdings setzt die Ausgabe elektronischer Belege ein System voraus, das sowohl von den Betrieben als auch von den Verbrauchern genutzt wird und alle gesetzlich notwendigen Belegangaben enthält.

Das Gesetz bietet auch die Möglichkeit, die Ausgabepflicht aus Zumutbarkeitsgründen aufzuheben oder für einzelne Gruppen zu erleichtern, sofern die Besteuerung dadurch nicht beeinträchtigt wird. Bisher hat sich das Bundesfinanzministerium mit dieser Möglichkeit zurückgehalten und wartet nach eigener Aussage ab, bis die Gesetzesänderung in Kraft tritt und die Unternehmen Anträge auf Befreiung stellen.

Umsetzung noch problematisch

Dieses Vorgehen stößt bei Schneider auf Unverständnis. „Das Bundesfinanzministerium höhlt damit die gesetzlichen Vorschriften aus. Man lässt die Bäcker alleine und im Regen stehen“, lässt er sich in einer Pressemitteilung zitieren. Der Verband befürchtet neben zusätzlichen Kosten für Belegerstellung und -entsorgung sowie für die Umrüstung der Kassen auch mehr Bürokratie im Verkauf. „Der Anteil der Kunden, die einen Bon brauchen, liegt unter 3 Prozent. In Zeiten, in denen unsere Betriebe und die Gesellschaft zunehmend auf Nachhaltigkeit und Abfallvermeidung achten, ist es geradezu unsinnig, wenn für den Kauf von ein paar Brötchen ein Kassenzettel gedruckt werden muss“, kritisiert Verbandspräsident Michael Wippler.

Erste Hochrechnungen im Verband ergaben, dass für ein Unternehmen mit 50 Verkaufsstellen jährliche Mehrkosten für Papier im fünfstelligen Bereich entstehen. Für die Umsetzung der Ausgabepflicht ist vorerst kein neues Kassensystem notwendig. Stattdessen ist es rechtlich möglich, alte Kassen mit der entsprechenden Hard- und Software aufzurüsten und auch Modelle, bei denen das baubedingt nicht möglich ist, dürfen bis 2022 weiter genutzt werden.

Lediglich computergestützte Kassensysteme müssen von 2020 an verpflichtend umgerüstet werden und über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) verfügen, um nachträgliche Veränderungen in den Daten zu verhindern. Dazu gehören ein Sicherheitsmodul, welches die Kasseneingaben protokolliert, ein Speichermedium und eine digitale Schnittstelle zum Datenexport, zum Beispiel zu Prüfungszwecken. Problematisch ist jedoch, dass es derzeit noch keine TSE-zertifizierten Kassen auf dem Markt gibt, da die Technik noch nicht soweit ist.

Aus diesem Grund gewährt das Bundesfinanzministerium nach längerem Widerstand eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2020, die jedoch nur für die technische Umrüstung und nicht für die Belegausgabepflicht gilt. Der Verband hält es für unrealistisch, dass bis zu diesem Zeitpunkt zehntausende Kassen gesetzeskonform ausgestattet werden können.

Phantomlohn: Noch mehr Ärger bei Teilzeit und Minijobs

By Allgemein, Kanzlei News, Unternehmen

Zahlen Betriebe – mit Zu­stim­mung der Mit­ar­bei­ter – we­ni­ger als ge­setz­lich vor­ge­se­hen, ent­steht Phan­tom­lohn. Die So­zial­kas­sen wol­len trotz­dem ih­ren An­teil. Um Är­ger bei Be­triebs­prü­fun­gen zu ver­mei­den, soll­ten Fir­men­chefs das gut mit dem Steuer­be­ra­ter besprechen.

Das näher rückende Jahresende ist der richtige Anlass, um nochmal ein 2019er-Thema aufzugreifen, in dem viel Sprengstoff steckt: Dem Phantomlohn. Zur Erinnerung: Dieser Begriff bezeichnet die Herausforderung, beim Berechnen von Steuern und Abgaben zwischen gezahltem und geschuldetem Lohn zu unterscheiden. Die abzuführenden Steuern ergeben sich nur aus dem Geld, das dem Mitarbeiter tatsächlich zufließt. Die abzuführenden Beiträge zur Sozialversicherung jedoch ergeben sich aus dem Geld, das ihm aufgrund gesetzlicher oder tariflicher Regelungen grundsätzlich zusteht. Und zwar selbst dann, wenn er diesen Betrag gar nicht voll erhält. Dann muss der Firmenchef die Sozialabgaben auf einen gar nicht gezahlten, also Phantomlohn, an Rentenversicherung und Krankenkasse überweisen. Dabei hat er sowohl den Arbeitgeber- wie auch den Arbeitnehmeranteil zu tragen – zahlt er nicht, droht ihm eventuell sogar ein Strafverfahren. Insbesondere passieren können folgenschwere Fehler bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, beim Urlaubsgeld, bei Teilzeitarbeitern sowie bei Minijobs.

Phantomlohn droht ins­be­son­dere bei Mi­ni­job auf Abruf

Über das Risiko vom Phantomlohn bei Minijobs auf Abruf war hier bereits zu lesen. Eine Änderung im Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfG) hatte zu Jahresbeginn vorgeschrieben: „Wenn die Dauer der wöchentlichen Arbeitszeit nicht festgelegt ist, gilt eine Arbeitszeit von 20 Stunden als vereinbart.“ Bis Ende 2018 waren es noch 10 Stunden. De facto bedeutet das eine sozialversicherungsrechtliche Verdoppelung der Standard-Arbeitszeit im TzBfG-Geltungsbereich. Ist ein Minijobber auf Abruf im gegenseitigen Einverständnis, aber ohne entsprechende schriftliche Vereinbarung weniger Stunden im Einsatz, unterstellt die Sozialversicherung 20 Wochenstunden. Daraus ergibt sich bei rechnerisch 4,33 Wochen pro Monat mal 9,19 Euro pro Stunde ein Monatslohn von 795,85 Euro: Obwohl der Minijobber freiwillig vielleicht nur zehn Stunden gearbeitet und unter 400 Euro bekommen hat, geht die Sozialversicherung bei ihren Ansprüchen von einem hohen zu berücksichtigenden Phantomlohn aus. Der führt in diesem Fall sogar dazu, dass die Vorteile des Minijobs wegen Überschreitung der 450-Euro-Grenze wegfallen.

Auch Teil­zeit­ar­bei­ter kön­nen Phan­tom­lohn produzieren

Unangenehme Konsequenzen drohen auch Unternehmern, die andere Aspekte des geänderten Teilzeitgesetzes übersehen. Wegen der Neuregelungen in § 12 TzBfG müssen alle bestehenden Arbeitszeitvereinbarungen überprüft und falls nötig angepasst werden. In der aktuellen Version kann der Firmenchef zwar eine wöchentliche Mindest- oder Höchstarbeitszeit vereinbaren, davon aber nicht mehr stark abweichen. Bei einer Mindestarbeitszeit darf er höchstens 25 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit zusätzlich abrufen. Bei einer Höchstarbeitszeit darf er maximal 20 Prozent weniger in Anspruch nehmen. Für jede Teilzeitvereinbarung ist genau zu prüfen, welche Stundenzahl beziehungsweise Vertragskonstruktion dem Unternehmer am besten dient, damit kein Phantomlohn entsteht. Natürlich kann der Chef zur Sicherheit für ausreichende Flexibilität nach oben eine Höchstarbeitszeit von 25 Stunden vereinbaren und dann regelmäßig nur 15 Stunden abrufen. Aber selbst wenn der Mitarbeiter sich damit zufrieden gibt, weil er sowie nicht länger kommen will, geht die Sozialversicherung dann von 20 Arbeitsstunden pro Woche aus – und schon entsteht ein erheblicher Phantomlohn.

Mit Anwalt und Steuer­be­rater über Lösungen sprechen

Dies droht auch bei anderen Zahlungen. Urlaubsgeld errechnet sich aus dem Durch­schnittsverdienst der letz­ten 13 Wochen vor dem Urlaub. Dazu zählen Provisionen, Feiertags-, Nacht- und Sonntagszuschläge sowie Erschwernis- und Gefahrenzulagen. Wer die vergisst, produziert Phantomlohn. Die Berechnung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall basiert auf der Vergütung der letzten zwölf Monate. Inklusive Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit sowie Prämien, Provisionen, Sachbezüge. Auch hier entsteht durch falsche Berechnungen leicht Phantomlohn. Daher sollten Unternehmer vor Jahresende mit ihrem Steuerberater prüfen, ob versehentlich bei der Lohnberechnung entsprechende Fehler unterlaufen sind. Die lassen sich nicht ungeschehen machen: Selbst ein rückwirkender Verzicht der Arbeitnehmer auf Lohnansprüche reduziert die Beitragsforderung nicht, denn der Beitragsanspruch ist bereits entstanden. Aber der Firmenchef kann die auf möglichen Phantomlohn fälligen Sozialabgaben nachzahlen und ist bei späteren Betriebsprüfungen auf der sicheren Seite. Und er kann mit Steuerberater sowie Anwalt seine Verträge anpassen, damit entsprechende schriftliche Vereinbarungen künftig weniger Raum für Fehler lassen.

Gilt die Zeit in der Berufsschule als Arbeitszeit?

By Allgemein, Kanzlei News
Fast jeder Azubi besucht während seiner Ausbildung auch die Berufsschule. Doch gilt die Zeit in der Schule als Arbeitszeit?
Und muss ein Azubi nach dem Unterricht noch im Betrieb arbeiten? Wir klären, auf was zu achten ist.

 

Fast jeder Azubi wird in Deutschland dual ausgebildet: Zum einen im Betrieb, zum anderen an der Berufsschule.

 Doch wie verhält es sich eigentlich mit der Zeit in der Berufsschule: Kann sich der Azubi diese Zeit als Arbeitszeit anrechnen lassen? Und muss der Azubi nach der Schule noch einmal in den Betrieb zurück? Wir klären, was für die Zeit in der Berufsschule gilt.

Ausbilder muss Azubi für Berufsschule freistellen

Nach §15 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) gilt prinzipiell, dass der Ausbilder seinen Azubi für die Teilnahme am Berufsschulunterricht sowie an Prüfungen freistellen muss – sofern die Berufsschule während der Arbeitszeit stattfindet. Der Ausbilder muss dem Azubi also die für die Teilnahme am Berufsschulunterricht erforderliche Zeit gewähren und darf ihn während dieser Zeit auch nicht im Betrieb beschäftigen. Denn der Besuch der Berufsschule hat vor der Arbeit im Betrieb Vorrang.

Azubi bekommt auch während der Berufsschule Gehalt

Diese Freistellungspflicht gilt laut der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg beispielsweise auch für die Teilnahme am Nachhilfeunterricht, an Vorbereitungslehrgängen für Abschlussprüfungen oder Schulveranstaltungen. Außerdem muss der Ausbilder nach §19 BBiG seinem Azubi, während der in der Schule paukt, die Vergütung fortzahlen.

Schulweg und Pausen gelten als Arbeitszeit

Das Bundesarbeitsgericht hat mit Beschluss vom 26. Januar 2001 ( AZ: 5 AZR 413/99) entschieden, dass jugendliche und volljährige Azubis nicht nur die Zeiten im Unterricht, sondern auch die Pausen in der Berufsschule und den Schulweg auf ihre Arbeitszeit anrechnen können.

Volljährige Azubis: Mehr als acht Stunden sind nicht möglich

Bei volljährigen Azubis ist die Anrechnung auf die Arbeitszeit jedoch beschränkt. Überschreitet die Unterrichtsdauer die vorgesehene Arbeitszeit von acht Stunden, kann die für den Schulbesuch zusätzlich aufgewendete Zeit nicht mehr angerechnet werden. Ein Beispiel: Wenn der Azubi inklusive Schulweg insgesamt neun Stunden in der Schule war, können ihm für den Tag trotzdem nur maximal acht Stunden angerechnet werden.

Volljährige Azubis: Nach der Schule im Betrieb arbeiten

Volljährige Azubis fallen nicht unter das Jugendarbeitsschutzgesetz und können daher an jedem Tag nach der Berufsschule im Betrieb arbeiten. Dabei dürfen die Zeit in der Berufsschule (inklusive Pausen und Schulweg) und die anschließende Arbeitszeit die betriebsübliche Arbeitszeit von acht Stunden nicht überschreiten.

Beispiel für volljährige Azubis

Ein Beispiel: Die Berufsschule geht von 8.00 Uhr bis 12.15 Uhr. Der Azubi verbringt also 4 Stunden und 15 Minuten im Unterricht. Außerdem braucht er für den Schulweg (hin und zurück) 30 Minuten. Er kann also insgesamt 4 Stunden und 45 Minuten auf die Arbeitszeit anrechnen. Um die tägliche Arbeitszeit von acht Stunden zu füllen, muss er an diesem Tag noch 3 Stunden und 15 Minuten im Betrieb arbeiten.

Volljährige Azubis: Obergrenze für Überstunden

Es gibt jedoch eine Grenze für die Arbeitszeit im Betrieb. Laut Arbeitszeitgesetz darf ein volljähriger Azubi maximal 48 Stunden in der Woche arbeiten. Innerhalb eines Zeitraums von sechs Monaten oder innerhalb von 24 Wochen dürfen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.

Jugendliche Azubis: Nach der Schule im Betrieb arbeiten

Bei noch nicht volljährigen Azubis gibt es einen kleinen Bonus: Sie können einen Berufsschultag in der Woche, der mindestens fünf Unterrichtsstunden á 45 Minuten enthält, einmal pro Woche mit acht Stunden auf die Arbeitszeit anrechnen – obwohl der Azubi eigentlich nur drei Stunden und 45 Minuten in der Schule war. An den anderen Berufsschultagen muss der Azubi aber wieder im Betrieb arbeiten, um seine acht Stunden aufzufüllen. Bei mehreren Schultagen pro Woche beschließt der Betrieb den Tag, an dem der Azubi nach der Schule freigestellt wird.

Jugendliche Azubis: Besondere Regelung bei Blockunterricht

Da es im Betriebsablauf nicht immer sinnvoll ist, noch für wenige Stunden Arbeit in den Betrieb zu fahren, können auch Arbeitszeitkonten oder Arbeitszeitverschiebungen für die „Fehlstunden“ eingerichtet werden. Eine Berufsschulwoche mit planmäßigem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an fünf Tagen kann der jugendliche Azubi mit 40 Zeitstunden anrechnen.

Jugendliche Azubis: Obergrenze für Überstunden

Auch jugendliche Azubis dürfen nicht unbegrenzt Arbeitsstunden anhäufen, da sie unter das Jugendarbeitsschutzgesetz fallen. Die Höchstarbeitszeit bei minderjährigen Azubis beträgt acht Stunden täglich und 40 Stunden wöchentlich.

 

Rückzahlung von Fortbildungskosten

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Grundsätzlich unterliegen Rückzahlungsklauseln in der Fortbildungsvereinbarung einer
Angemessenheits- und Transparenzkontrolle. Eine zur Unwirksamkeit führende unangemessene Benachteiligung kann sich daraus ergeben, dass die Vertragsklausel nicht klar und verständlich ist.
Das Transparenzgebot gebietet zugleich eine ausreichende Bestimmtheit der Klausel. Dem Bestimmtheitsgebot wird nur entsprochen, wenn in einer Vertragsbestimmung sowohl die Tatbestandsvoraussetzungen als auch deren Rechtsfolgen so genau umschrieben werden, dass dem Verwender keine ungerechtfertigten Beurteilungsspielräume verbleiben. Nur dann, wenn eine Klausel im Rahmen des rechtlich und tatsächlich Zumutbaren die Rechte und Pflichten des Vertragspartners so klar und präzise wie möglich umschreibt, genügt sie diesen Anforderungen.

Vor diesem Hintergrund hat das Landesarbeitsgericht Hamm Folgendes entschieden:

„Lässt eine Klausel zur Rückzahlung von Fortbildungskosten auch für den Fall einer berechtigten personenbedingten Eigenkündigung des Arbeitnehmers einen Rückzahlungsanspruch entstehen, differenziert sie nicht ausreichend nach dem Grund des vorzeitigen Ausscheidens. Sie benachteiligt den Arbeitnehmer entgegen den Geboten von Treu und Glauben unangemessen und ist damit unwirksam.“

Ferienjobs von Schülern und Studenten im Steuerrecht

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Viele Studenten und Schüler nutzen ihre Ferien, um neben Schule und Studium etwas dazuzuverdienen. Damit der Job steuerfrei bleibt, müssen einige Besonderheiten beachtet werden.

Ferienjob für Schüler und Studenten

Viele klassische Nebenjobs werden in der Ferien- und Urlaubszeit von Studenten und Schülern übernommen: Sie bedienen in Restaurants und Cafés, räumen Regale im Supermarkt ein, unterstützen Firmen in der Urlaubszeit in der Produktion oder übernehmen andere Aufgaben. Doch nach der Jobzusage ist vor der Steuer. In den meisten Fällen wird der Ferienjobber angestellt. In seltenen Fällen kann es dazu kommen, dass der Unternehmer einen Auftrag an Selbstständige vergeben will. Das kann beispielsweise im Vertriebsbereich vorkommen. Das Unternehmen spart sich dann die Steuerabzüge und weitere Ausgaben. Die Ferienjobber müssen jedoch aufpassen: Wenn die Tätigkeit als selbstständige Tätigkeit anerkannt wird, stellen sich Fragen nach Steuererklärungspflichten, Gewinnermittlung, Umsatzsteuer und mehr. Hier empfiehlt es sich, wenn Schüler und Studenten vorab mit dem Finanzamt Verbindung aufnehmen.

 

Lohnsteuer bei Studenten und Schülern

Wenn Schüler und Studenten als Arbeitnehmer angestellt werden, fällt grundsätzlich auch Lohnsteuer an. Deshalb müssen die Arbeitgeber auch hier die Lohnsteuerabzugsmerkmale vom Finanzamt abrufen. Der Ferienjobber muss hierzu lediglich seine Steueridentifikationsnummer angeben. Oft ist diese den Ferienjobbern noch gar nicht bekannt. Die Steueridentifikationsnummer können sie beim Bundeszentralamt für Steuern beantragen und dann dem Arbeitgeber mitteilen. Der Arbeitslohn wird dann versteuert und nach Beendigung des Ferienjobs erhalten die Schüler und Studenten eine Lohnsteuerbescheinigung.

Steuerklasse – erstes Dienstverhältnis oder mehrere Arbeitgeber

Wenn der Schüler oder Student lediglich einen Ferienjob und somit einen Arbeitgeber hat und dies beim Arbeitgeber auch angibt, wird in den meisten Fällen die Versteuerung nach der Steuerklasse I vorgenommen. Doch manchmal werden die Ferien gleich für mehrere Aushilfsjobs genutzt. Liegt kein erstes Dienstverhältnis vor, kommt die Steuerklasse VI zur Anwendung. Das bringt gleich zwei Konsequenzen mit sich:

  1. Der Lohnsteuereinbehalt ist dann in der Regel sehr hoch und
  2. der Ferienjobber ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.Steuererklärung abgebenHinweis: Ein Lohnsteuer-Jahresausgleich kommt für reine Ferienjobber regelmäßig nicht in Betracht!Beispiel: Student Moritz jobbt im August und September 2019 in einer Bar. Er verdient 2.500 EUR brutto. Sein Arbeitgeber behält Lohnsteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag ein. Weitere Einkünfte erzielt Moritz in 2019 nicht. Er gibt im März 2020 eine Steuererklärung ab und bekommt die einbehaltenen Abzüge zurückerstattet.Anders sieht der Fall jedoch aus, wenn der Schüler bzw. Student weitere Einkünfte bezieht.Sind also weitere Einkünfte vorhanden, kann dies dazu führen, dass der Schüler bzw. Student nicht die komplett einbehaltene Lohnsteuer (zzgl. Soli und KiSt) zurück erhält.
  3. Beispiel: Der Student Moritz hat bereits vor einigen Jahren eine Eigentumswohnung von seinen Großeltern geerbt. Diese vermietet er. Die Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung belaufen sich in 2019 auf 10.000 EUR. Er jobbt im August und September 2019 in einer Bar und verdient 2.500 EUR. Die Vermietungseinkünfte werden beim Steuerbescheid 2019 ebenfalls berücksichtigt werden. Vermietungseinkünfte und die Einkünfte aus dem Ferienjob liegen über dem Grundfreibetrag. Moritz wird voraussichtlich nicht alle Abzüge zurückerhalten (es sei denn, er kann Werbungskosten, Sonderausgaben etc. geltend machen).
  4. Weitere Einkünfte des Ferienjobbers
  5. Wenn Schüler und Studenten – abgesehen von dem Ferienjob – keine weiteren Einkünfte in dem Jahr erzielen, ist der Lohnsteuereinbehalt meistens zu hoch. Die Einkünfte liegen in der Regel weit unter dem Grundfreibetrag. Die Abgabe einer Steuererklärung ist dann jedoch die Lösung, um die einbehalte Lohnsteuer vom Finanzamt wieder erstattet zu bekommen.
  6. In der Regel wird von den Arbeitgebern Lohnsteuer einbehalten – und das nicht zu knapp.
  7. Bei Aushilfskräften liegt häufig eine geringfügig entlohnte Beschäftigung oder eine kurzfristige Beschäftigung vor. Sind die Voraussetzungen erfüllt, ist also auch eine Pauschalversteuerung möglich.

Berufskleidung absetzen: Was vom Finanzamt anerkannt wird

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Die Kosten typischer Arbeitskleidung lassen sich von der Steuer absetzen. Doch nicht alle beruflichen Outfits werden vom Finanzamt anerkannt.

Ob Schornsteinfeger, Bäcker oder Monteur: Wer zum Arbeiten spezielle Kleidung braucht, kann diese bei der Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen – und damit seine Einkommensteuer entsprechend reduzieren. „Unter typischer Berufsbekleidung versteht das Finanzamt Kleidung, die nur im entsprechenden Fachhandel erhältlich ist“, erklärt Christina Georgiadis von der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH). Die Arbeitskleidung muss entweder typisch für den jeweiligen Beruf sein und eine Schutzfunktion erfüllen, oder durch eine Kennzeichnung, wie ein Logo oder den uniformartigen Charakter klar rein beruflich sein.

Schwieriger wird es, wenn sich die Kleidung nicht nur im Job, sondern auch privat tragen lässt – private oder bürgerliche Kleidung erkennt das Finanzamt in der Steuererklärung nämlich nicht an. So können etwa Bankangestellte die Kosten für Anzug oder Kostüm nicht geltend machen, auch wenn ihr Arbeitgeber ein solches Outfit verlangt. Denn solange die Möglichkeit besteht, die Kleidung bei einem privaten Anlass zu tragen, stellt sich das Finanzamt stur.

Anerkennung häufig vom Finanzbeamten abhängig

Mitunter ist es schwer nachvollziehbar, was anerkannt wird und was nicht. So dürfen beispielsweise Bestatter oder Pfarrer einen schwarzen Anzug steuerlich geltend machen, selbstständige Trauerbegleiter jedoch nicht. Einige von ihnen haben sich zusammengetan und klagen aktuell dagegen vor dem Bundesfinanzhof (Aktenzeichen: VIII R 33/18).

Oftmals komme es bei der Frage, was anerkannt wird und was nicht „auf den Sachbearbeiter in der Finanzverwaltung an“, sagt VLH-Expertin Georgiadis. Ein Grenzfall ist beispielsweise Dienstkleidung mit einem Logo des Unternehmens: „Dem Grunde nach handelt es sich um Arbeitskleidung und könnte abgesetzt werden. Bei einem kleinen Logo ließe sich das aber auch sicherlich verstecken und im Privatleben tragen“, sagt Georgiadis.

Handwerker haben gute Karten beim Absetzen von der Steuer

Die meisten Handwerker haben bei der Angabe von Arbeitskleidung in der Steuererklärung wiederum gute Karten, zumindest wenn es sich um Sicherheitskleidung handelt. Auch spezielle Arbeitshosen haben eine Chance beim Finanzamt. Wolfgang Wawro vom Deutschen Steuerberaterverband empfiehlt, die Kleidung immer in einem Fachgeschäft für Berufsbekleidung zu kaufen. „Mit einem solchen Beleg die Kosten abzusetzen, hat bessere Aussichten auf Erfolg.“ Im Zweifel sollten die Kosten immer in der Steuererklärung geltend gemacht werden – denn es kann nicht mehr passieren, als dass das Finanzamt die Anerkennung verweigert.

Stellt der Arbeitgeber Dienstkleidung oder schießt er etwas bei der Anschaffung dazu, muss der Arbeitnehmer diesen Vorteil laut Angaben Bundessteuerberaterkammer nicht versteuern, wenn es sich ganz eindeutig um Berufskleidung handelt. Stellt der Chef jedoch bürgerliche Kleidung, die nicht nur beruflich, sondern prinzipiell auch privat getragen werden könnte, handelt es sich wiederum um eine Einzelfallentscheidung: Erkennt das Finanzamt sie nicht als Arbeitskleidung an, muss diese als geldwerter Vorteil mit dem Arbeitslohn versteuert werden. Umgekehrt gilt: Wenn etwas als Arbeitskleidung anerkannt ist, können Steuerzahler nicht nur die Anschaffungskosten von der Steuer absetzen – sondern beispielsweise auch Reparaturen durch einen Schneider oder die professionelle Reinigung.

 

Erkennungszeichen und Schutzfunktion

Die Begriffe Arbeitsbekleidung, Dienstbekleidung, Berufsbekleidung und selbst Schutzbekleidung wirbeln gerne mal durcheinander. Teilweise handelt es sich um Synonyme, teilweise um etwas völlig anderes. Gemeinsam ist ihnen, dass es sich um Kleidung handelt, die während der Arbeit getragen wird. Doch was sind die Unterschiede?

Arbeitskleidung / Berufskleidung:

Diese beiden Begriffe werden synonym verwendet. Dabei handelt es sich um den Oberbegriff für sämtliche Kleidung, die aus beruflichen Gründen getragen wird – vom Anzug, beziehungsweise Kostüm in der Finanz- und Versicherungsbranche, bis hin zur Arbeitshose des Handwerkers.

Dienstkleidung:

Ob die Uniform von Polizisten oder Feuerwehrleuten, die Robe des Richters oder der Talar des Pfarrers: In bestimmten Bereichen des öffentlichen Dienstes sind Uniformen oder Amtstrachten vorgeschrieben. Diese werden als Dienstkleidung bezeichnet. Darunter fallen auch Kleidungsstücke mit Firmenlogo, die uniformähnlichen Charakter haben, wie sie etwa im Bereich der Systemgastronomie üblich sind.

Schutzkleidung:

In bestimmten Handwerksberufen, aber auch etwa im medizinischen Bereich, ist aus Gründen des Arbeitsschutzes Sicherheitskleidung vorgeschrieben. Dazu zählt beispielsweise der Bauhelm, Sicherheitsschuhe oder Arbeitshandschuhe, aber auch der Arztkittel oder die Schutzbrille des Chemikers. Schutzkleidung soll die Arbeitnehmer vor gefährlichen Einflüssen wie Hitze, Wasser oder Chemikalien schützen. Wer sie nicht trägt, handelt grob fahrlässig und riskiert bei Arbeitsunfällen seinen Versicherungsschutz