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September 2021

Investitionsabzugsbetrag: Steueränderung 2021 beachten

By Allgemein, Bau & Handwerk, Kanzlei News, Selbstständige, Steuertipps

Handwerksbetriebe, die als Personengesellschaft geführt werden, müssen aufpassen. Für einen Investitionsabzugsbetrag, der ab 2021 vom Gewinn abgezogen wird, gelten neue Regelungen.

Betreiben Sie die Geschäfte Ihres Handwerksbetriebs in der Rechtsform einer Personengesellschaft, gilt beim Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG für geplante Investitionen eine Besonderheit.

Denn machte die Personengesellschaft für geplante betriebliche Investitionen einen gewinnmindernden Investitionsabzugsbetrag geltend, durfte die Investition ausnahmsweise auch durch den Gesellschafter der Personengesellschaft vorgenommen werden. Bei Aktivierung des gekauften Wirtschaftsguts im Sonderbetriebsvermögen des Gesellschafters, war es für § 7g Abs. 1 EStG unschädlich, dass die Investition nicht von der Personengesellschaft, sondern vom Gesellschafter durchgeführt wurde (BMF, Schreiben v. 26.8.2019, BStBl 2019 BStBl I S. 879).

Investitionsabzugsbetrag: Änderung der Gesetzeslage seit 2021

Doch dieses BMF-Schreiben gilt für Investitionsabzugsbeträge, die ab 2021 vom Gewinn abgezogen werden, nicht mehr. Das wurde kaum bemerkt im Jahressteuergesetz 2020 in § 7g Abs. 7 EStG geregelt.

Das bedeutet im Klartext: Zieht ein Unternehmer von dem Gewinn 2021 seiner Personengesellschaft einen Investitionsabzugsbetrag von 50.000 Euro ab und in den Jahren 2022 bis 2014 kauft nicht die Personengesellschaft den betrieblichen Gegenstand, sondern der Gesellschafter, kippt das Finanzamt den Investitionsabzugsbetrag 2021 rückwirkend. Kippen bedeutet, dass das Finanzamt den Steuerbescheid 2021 ändert, den Gewinn um den zu Unrecht abgezogenen Investitionsabzugsbetrag erhöht und Steuern plus Zinsen nachfordert.

Steuertipp: Betreiben Sie Ihre Geschäfte im Rahmen einer Personengesellschaft und planen 2021 den Abzug eines Investitionsabzugsbetrags, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Steuerberater. Er wird überwachen, dass die spätere Investition dann tatsächlich von der Personengesellschaft ausgeübt wird und nicht von Ihnen als Gesellschafter.

Homeoffice-Pauschale auch bei doppelter Haushaltsführung absetzbar

By Allgemein, Kanzlei News, Privatpersonen, Selbstständige, Steuertipps, Unternehmen

Wer im Homeoffice arbeitet, kann dafür Kosten steuerlich absetzen. Dabei greift die neue Homeoffice-Pauschale auch bei einer doppelten Haushaltsführung. Das ist dabei zu beachten.

Mussten Sie aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort anmieten, spricht man im steuerlichen Fachjargon von einer doppelten Haushaltsführung. Sie dürfen in diesem Zusammenhang die Unterkunftskosten für die Zweitwohnung im Inland in Höhe von bis zu 1.000 Euro im Monat als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben abziehen.

Doppelte Haushaltsführung: Homeoffice-Pauschale zusätzlich absetzbar

In der Praxis stellte sich nun die Frage, ob zusätzlich zu den Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben auch die neue Homeoffice-Pauschale steuersparend abgezogen werden darf? Die Homeoffice-Pauschale von 5 Euro pro Tag, maximal bis zu 600 Euro im Jahr, gibt es für die Tage, an denen Sie ausschließlich zu Hause arbeiten mussten.

Anders ausgedrückt: Arbeitet ein Arbeitnehmer oder ein Unternehmer in seiner Zweitwohnung oder in seiner Erstwohnung am Beschäftigungsort wegen Corona im Homeoffice und macht die Homeoffice-Pauschale von 600 Euro geltend, sind dann die Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben für Unterkunftskosten der Zweitwohnung um die Homeoffice-Pauschale zu kürzen?

Steuertipp: Die gute Nachricht. Auf Bund-Länder-Ebene wurde beschlossen, dass die Homeoffice-Pauschale ohne Wenn und Aber (und vor allem ohne Kürzung der Unterkunftskosten) zusätzlich zu den Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben im Rahmen der doppelten Haushaltsführung abziehbar sind.

Investitionsabzugsbetrag: Das müssen Sie zu den Neuregelungen wissen

By Allgemein, Kanzlei News, Privatpersonen, Selbstständige, Steuertipps, Unternehmen

Der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG ist eines der letzten echten Steuersparmodelle für kleine und mittelständische Betriebe. Unternehmer dürfen geplante Investitionskosten bereits im Jahr der Planung teilweise als Betriebsausgaben abziehen. Seit 2020 sind sogar 50 statt wie bislang 40 Prozent möglich. Was Unternehmer hierzu wissen müssen, Beispiele und Tipps für die Praxis.

Danach können für die künftige Anschaffung oder Herstellung von abnutzbaren beweglichen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens – im Speziellen von Baumaschinen und Baugeräten im Bauunternehmen – bis zu 50 Prozent (vorher 40 Prozent) der voraussichtlichen Anschaffungskosten oder Herstellungskosten steuerlich gewinnmindernd als Investitionsabzugsbeträge behandelt werden.

Anwendung des 50-prozentigen Investitionsabzugsbetrags

Im Jahressteuergesetz 2020 wurde beschlossen, den Investitionsabzugsbetrag von bisher 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten auf 50 Prozent zu erhöhen. Und zwar erstmals ab dem Wirtschaftsjahr 2020.

Beispiel: Eine selbstständige Handwerkerin sitzt an der Gewinnermittlung für 2020. Sie plant im Jahr 2023 den Kauf einer Baumaschine für 30.000 Euro. Folge: Erfüllt sie die Voraussetzungen nach § 7g Abs. 1 EStG, darf sie vom Gewinn 2020 einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 15.000 Euro abziehen (30.000 Euro x 50 Prozent).

Was mit dem Investitionsabzugsbetrag im Jahr der Investition passiert

Im Jahr der Investition muss ein Unternehmer den in den Vorjahren gebildeten Investitionsabzugsbetrag dem Gewinn wieder hinzurechnen. Mindert der Unternehmer die Anschaffungskosten für den Investitionsgegenstand, kann er in gleicher Höhe den Investitionsabzugsbetrag wieder vom Gewinn abziehen.

Investitionsabzugsbetrag vor 2020

Doch was passiert, wenn der 40-prozentige und der 50-prozentige Investitionsabzugsbetrag zusammentreffen? Handelt es sich um Investitionsabzugsbeträge, die in vor dem 1. Januar 2020 endenden Wirtschaftsjahren abgezogen wurden, ist § 7g Abs. 1 bis 4 EStG in der am 31. Dezember 2019 geltenden Fassung anzuwenden. Das bedeutet im Klartext: Im Jahr 2020 kann der Hinzurechnungsbetrag nur in Höhe von 40 Prozent der tatsächlichen Investitionskosten erfolgen.

Beispiel: Ein Unternehmer zieht vom Gewinn 2019 einen Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 21.000 Euro ab (voraussichtliche Anschaffungskosten 52.500 Euro x 40 Prozent). In der Gewinnermittlung stockt er den Betrag nochmals um 3.000 Euro auf, weil die Investitionskosten mittlerweile mit 58.500 Euro zu kalkulieren sind (Aufstockung 6.000 Euro x 50 Prozent). Im Jahr 2022 kauft der Unternehmer den neuen Gegenstand für 50.000 Euro.

Folge: Im Jahr 2022 muss der Investitionsabzugsbetrag dem Gewinn in Höhe von maximal 20.000 Euro hinzugerechnet werden (tatsächliche Kosten 50.000 Euro x 40 Prozent). Zusätzlich kann der Unternehmer den Betrag aus 2020 bis zu einer maximalen Gesamthinzurechnung von 50 Prozent von 50.000 Euro (=25.000 Euro) hinzurechnen. Da der Investitionsabzugsbetrag 2020 nur 3.000 Euro betrug, sind die kompletten 3.000 Euro dem Gewinn 2022 hinzuzurechnen.

Wichtig: Der verbleibende Betrag aus dem Investitionsabzug 2019 von 1.000 Euro (Investitionsabzugsbetrag 2019 = 21.000 Euro abzgl. Hinzurechnungsbetrag 2022 für 2019 = 20.000 Euro) kann nicht verwendet werden. Insoweit ändert das Finanzamt den Steuerbescheid 2019 und mindert den Betrag 2019 um diese 1.000 Euro.

Praxis-Tipp: Haben Sie in den Jahren 2019 und 2020 für einen Gegenstand einen Investitionsabzugsbetrag abgezogen, sollten Sie mit Ihrem Steuerberater diese auf Bund-Länder-Ebene abgestimmte Berechnung durchspielen. Hintergrund: Je eher klar ist, in welcher Höhe Änderungen für 2019 drohen, desto früher können Sie das Finanzamt um Änderung des Steuerbescheids 2019 bitten. Dadurch sparen sich Unternehmer Nachzahlungszinsen.