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Mai 2019

Karl Rehfuß eröffnet Standort in Rottweil

By Allgemein, Kanzlei News, Unternehmen

Partner des bundesweiten Netzwerks für Generationswechsel und Unternehmensnachfolg

Rainer Ege (von links) und Michael Kiener begrüßen Karl Rehfuß,

der mit Sitz in der Rottweiler Heerstraße Kunden in der Region betreut.

 

ROTTWEIL – Mit Karl Rehfuß hat ein Partner der K.E.R.N.-Gruppe, des bundesweiten Netzwerks für Generationswechsel und Unternehmensnachfolge, in der Heerstraße 44 einen Standort eröffnet. „Ich will einfach näher an meinen Kunden sein“, benennt Rehfuß seine Motivation. Die Abkürzung steht für die Initialen der damaligen zwei Gründungspartner.

Die Botschaft des genossenschaftlich organisierten Verbundes von Beratern lautet „Die Nachfolgespezialisten“ – angesichts der zahlreichen anstehenden Firmenübergaben ist dies eine stark nachgefragte Dienstleistung. Die rechtlich selbständigen Berater der Gruppe sind ansonsten ausschließlich in den Zentren beheimatet. Im Fall von Rehfuß ist das Stuttgart. „Die Region Schwarzwald-Baar-Heuberg verfügt über besonders hohe Wirtschaftskraft, und in der mittelständisch geprägten Wirtschaft vor Ort stehen in den kommenden Jahren zahlreiche Generationswechsel und Verkäufe an“ weiß Rehfuß.

Diese Einschätzung unterfüttert er mit ganz konkreten Zahlen aus der K.E.R.N.-Nachfolgestudie 2017 für die Region: Es gibt in den drei Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar etwa 2600 Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 250.000 und 5 Millionen Euro. Rund 82 Prozent davon sind zumeist inhabergeführte Mittelständler. „Die geburtenstärksten Unternehmerjahrgänge müssen langsam an die Rente denken: 40 Prozent der Unternehmenslenker sind bereits älter als 55 Jahre“ weist die Statistik aus. Bis 2020 steigt die Anzahl kleiner und mittelständischer Unternehmen, die hierzulande eine Nachfolge für ihren Chef organisieren müssen, auf 61 Prozent an. Dies betrifft dann bis zu 7500 Arbeitsplätze in der Region.

Die Entscheidung für Rottweil fiel, weil bei Nachfolgelösungen und Verkäufen immer auch steuerliche Fragen tangiert sind. In der Region arbeitet der K.E.R.N.-Nachfolgespezialist mit den Steuerberatern der Kanzlei Kiener & Ege zusammen, weswegen es sich angeboten habe, an deren Standort im alten Milchwerk zu ziehen.

Unternehmensnachfolge, das ist ein sehr emotionales Thema, denn vielen Unternehmern geht es vor allem um die Sicherung des Lebenswerkes und eine gute Zukunft der Mitarbeitenden“ erläutert Rehfuß. Deshalb versuche er stets, eine regionale Lösung zu finden und so die Arbeitsplätze vor Ort zu sichern. Dazu dient auch die enge Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer. Aktuell bearbeitet Rehfuß eine ganze Reihe anstehender Nachfolgelösungen in der Region, dabei handele es sich konkret um Handwerksbetriebe sowie geradezu typische Mittelständler in der Metallbearbeitung. „Die Übergabe oder der Verkauf eines Unternehmens kann schon mal drei bis fünf Jahre dauern, wir begleiten die Unternehmer während des gesamten Prozesses“, berichtet Rehfuß. Da sei es wertvoll, mit dem Standort Rottweil nun einfach dichter dran zu sein.

 

Arbeitsrecht: Messung der täglichen Arbeitszeit verpflichtend (EuGH)

By Allgemein, Kanzlei News

Die EU-Mitgliedstaaten müssen Arbeitgeber verpflichten, ein System einzurichten, mit dem die tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann (EuGH, Urteil v. 14.5.2019 – C-55/18 ).

Sachverhalt : Die spanische Gewerkschaft Federación de Servicios de Comisiones Obreras (CCOO) erhob vor dem spanischen Nationalen Gerichtshof eine Klage auf Feststellung der Verpflichtung der Deutsche Bank SAE, ein System zur Erfassung der von deren Mitarbeitern geleisteten täglichen Arbeitszeit einzurichten. Sie vertritt die Auffassung, dass mit diesem System die Einhaltung der vorgesehenen Arbeitszeit und der in den innerstaatlichen Rechtsvorschriften vorgesehenen Verpflichtung, den Gewerkschaftsvertretern die Angaben über die monatlich geleisteten Überstunden zu übermitteln, überprüft werden könne.

Die Deutsche Bank macht geltend, der höchstrichterlichen spanischen Rechtsprechung lasse sich entnehmen, dass das spanische Recht keine solche allgemeingültige Verpflichtung vorsehe.

Hierzu führt der EuGH weiter aus:

  • Das Grundrecht eines jeden Arbeitnehmers auf eine Begrenzung der Höchstarbeitszeit und auf tägliche und wöchentliche Ruhezeiten ist in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union verbürgt und wird durch die Arbeitszeitrichtlinie (Richtlinie 2003/88/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 4.11.2003 über bestimmte Aspekte der Arbeitszeitgestaltung) weiter präzisiert.
  • Ohne ein System, mit dem die tägliche Arbeitszeit eines jeden Arbeitnehmers gemessen werden kann, kann weder die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden und ihre zeitliche Verteilung noch die Zahl der Überstunden objektiv und verlässlich ermittelt werden. Für die Arbeitnehmer ist es daher äußerst schwierig oder gar praktisch unmöglich, ihre Rechte durchzusetzen.
  • Dagegen bietet ein Arbeitszeiterfassungssystem den Arbeitnehmern ein besonders wirksames Mittel, einfach zu objektiven und verlässlichen Daten über die tatsächlich geleistete Arbeitszeit zu gelangen. Hierdurch wird sowohl den Arbeitnehmern der Nachweis erleichtert als auch den zuständigen Behörden und nationalen Gerichten die Kontrolle hierüber.
  • Um die nützliche Wirkung der von der Arbeitszeitrichtlinie und der Charta verliehenen Rechte zu gewährleisten, müssen die Mitgliedstaaten die Arbeitgeber daher verpflichten, ein objektives, verlässliches und zugängliches System einzurichten, mit dem die von einem jeden Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann.

Es obliegt den Mitgliedstaaten, die konkreten Modalitäten zur Umsetzung eines solchen Systems, insbesondere der von ihm anzunehmenden Form, zu bestimmen und dabei gegebenenfalls den Besonderheiten des jeweiligen Tätigkeitsbereichs oder Eigenheiten, sogar der Größe, bestimmter Unternehmen Rechnung zu tragen.