Abzug von Refinanzierungszinsen für notleidende Gesellschafterdarlehen

By 30. Oktober 2018 November 21st, 2018 Selbstständige, Unternehmen

Verzichtet ein Gesellschafter unter der auflösenden Bedingung der Besserung der
wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft auf sein Gesellschafterdarlehen, sind bei ihm weiterhin anfallende
Refinanzierungszinsen nicht mehr als Werbungskosten abziehbar.
Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 24. Oktober 2017 (Az. VIII R 19/16) entschieden. Die
nunmehr durch die Beteiligungserträge veranlassten Refinanzierungszinsen seien vielmehr nur auf Antrag
zu 60 Prozent als Werbungskosten abziehbar.
Im Streitfall hatte der Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft bei einer Bank ein Darlehen aufgenommen,
um selbst ein verzinsliches Gesellschafterdarlehen an die Kapitalgesellschaft auszureichen. In solch einem
Fall sind die Schuldzinsen für das Refinanzierungsdarlehen grundsätzlich als Werbungskosten durch die
Erträge aus dem Gesellschafterdarlehen veranlasst. Dies gilt, wie der BFH jetzt klargestellt hat, auch,
wenn die Kapitalgesellschaft die geschuldeten Zins- und Tilgungszahlungen aus dem
Gesellschafterdarlehen nicht erbringt.
Wechsel des Veranlassungszusammenhangs
Verzichtet der Gesellschafter aber gegenüber der Kapitalgesellschaft auf sein Gesellschafterdarlehen gegen
Besserungsschein, kann dies für Schuldzinsen, die auf das Refinanzierungsdarlehen gezahlt werden, bis
zum Eintritt des Besserungsfalls zu einem Wechsel des Veranlassungszusammenhangs der
Aufwendungen führen: weg von den Kapitalerträgen aus dem Gesellschafterdarlehen hin zu den
Beteiligungserträgen.
Ein solcher Wechsel des Veranlassungszusammenhangs tritt insbesondere ein, wenn der Gesellschafter
durch den Verzicht auf Zins- und Tilgungsansprüche aus dem Gesellschafterdarlehen die
Eigenkapitalbildung und Ertragskraft der Gesellschaft stärken will. Der Wechsel des
Veranlassungszusammenhangs hat zur Folge, dass die Schuldzinsen aus dem Refinanzierungsdarlehen
nunmehr einem Werbungskostenabzugsverbot unterliegen.
Gesellschafter muss Teileinkünfteverfahren beantragen
Um wenigstens 60 Prozent der Refinanzierungszinsen abziehen zu können, muss der Gesellschafter
spätestens mit Abgabe der Einkommensteuerveranlagung für das Jahr des Forderungsverzichts die
Anwendung des sog. Teileinkünfteverfahrens für die Dividenden aus der Kapitalgesellschaft und die damit
im Zusammenhang stehenden Werbungskosten beantragen, was im Streitfall nicht erfolgt war. Dies sollte
zur Vermeidung von Nachteilen in der Sanierungspraxis bedacht werden.