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August 2018

Zum Werbungskostenabzug für ein Homeoffice bei Vermietung an den Arbeitgeber

By Allgemein, Kanzlei News

In einem vom Bundesfinanzhof (BFH) entschiedenen Fall hat ein Steuerpflichtiger seinem
Arbeitgeber eine Einliegerwohnung in einem im Übrigen zu eigenen Wohnzwecken genutzten Haus als
Homeoffice vermietet. Streitig war dabei die Anerkennung von Kosten einer behindertengerechten
Badrenovierung in Höhe von über 25.000 EUR.
Im Sachverhalt hat der Kläger seinem Arbeitgeber eine rund 50 qm große Einliegerwohnung in einem im
Übrigen zu eigenen Wohnzwecken genutzten Haus als Homeoffice vermietet. Von diesen Räumlichkeiten
mit Büro, Besprechungsraum, Küche und Bad/WC aus betreibt der Kläger seine Tätigkeit als Vertriebsleiter
für den Arbeitgeber. Der Mietvertrag ist zeitlich an den Arbeitsvertrag und an die Weisung des
Arbeitgebers gebunden, die Tätigkeit in anderen Büroräumen zu betreiben.
Badrenovierung in Höhe von über 25.000 Euro
Streitig war nun die Anerkennung von Kosten einer behindertengerechten Badrenovierung in Höhe von
über 25.000 EUR. Das Finanzamt ordnete das Badezimmer dem privaten Bereich zu und berücksichtigte
die Renovierungsaufwendungen nicht als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und
Verpachtung. Das Finanzgericht war der Auffassung, dass die Anmietung eines vollständigen
behindertengerechten Badezimmers nicht von den Arbeitgeberinteressen gedeckt sei und erkannte die
Werbungskosten nur teilweise an.
Wohnung versus Gewerbeimmobilie
Dabei – so der BFH in seinem Urteil vom 17. April 2018 (Az. IX R 9/17) – hat das Finanzgericht jedoch
nicht erkannt, dass es sich bei den vermieteten Räumlichkeiten um eine Gewerbeimmobilie handelt und
die Einkünfteerzielungsabsicht des Kläger daher zunächst durch eine objektbezogene Überschussprognose
überprüft werden muss.
Zwar ist nach dem Einkommensteuergesetz bei einer auf Dauer angelegten Vermietungstätigkeit generell
davon auszugehen, dass der Steuerpflichtige beabsichtigt, einen Einnahmenüberschuss zu erwirtschaften,
auch wenn sich über längere Zeiträume Werbungskostenüberschüsse ergeben. Dies gilt jedoch nur für die
Vermietung von Wohnungen, nicht indes für die Vermietung von Gewerbeimmobilien. Hier ist
die Einkünfteerzielungsabsicht anhand einer Überschussprognose festzustellen.
Überschusserzielungsabsicht muss belegt werden
Die zweckentfremdete Vermietung von Wohnraum an den Arbeitgeber zu dessen betrieblichen Zwecken
hat der BFH damit erstmals als Vermietung zu gewerblichen Zwecken beurteilt und widerspricht insoweit
der Auffassung der Finanzverwaltung. Vermietet der Steuerpflichtige also eine Einliegerwohnung als
Homeoffice an seinen Arbeitgeber für dessen betriebliche Zwecke, kann er Werbungskosten somit nur
geltend machen, wenn eine objektbezogene Prognose die erforderliche Überschusserzielungsabsicht belegt.
Der BFH verwies die Sache an das Finanzgericht zurück, das im zweiten Rechtsgang die Einkünfteer-
zielungsabsicht zu beurteilen hat.

Finanzkonten: 1,5 Millionen Steuerdatensätze erhalten

By Allgemein, Kanzlei News, Privatpersonen, Selbstständige

Beim automatischen Informationsaustausch über Finanzkonten (AIA) sind nach Angaben der
Bundesregierung im September 2017 von ausländischen Behörden 1,5 Millionen Datensätze nach
Deutschland übermittelt worden.
Der zwischen Deutschland und 49 Staaten beziehungsweise Gebieten vorgenommene Austausch soll im
September 2018 erneut vorgenommen werden. Diesmal erfolge der Austausch zwischen Deutschland und
102 Staaten beziehungsweise Gebieten, teilt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine sog. Kleine
Anfrage der Fraktion der FDP mit.
Mit der Zuordnung der übermittelten Daten zu den jeweiligen Steuerpflichtigen durch das
Bundeszentralamt für Steuern zeigt sich die Bundesregierung sehr zufrieden: Die Ergebnisse lägen weit
über dem Durchschnitt sonst üblicher Ergebnisse bei automatisierten Zuordnungsläufen. Mit der
Auswertung der Daten in den Landesfinanzbehörden soll Mitte 2020 begonnen werden.
Daten enthalten Anhaltspunkte, keine Bemessungsgrundlage
In den Datensätzen sei ein Volumen von Einkünften in Höhe von 58 Milliarden Euro und von Kontoständen
in Höhe von 85 Milliarden Euro enthalten. Die Daten würden allerdings keine Bemessungsgrundlage für die
Besteuerung in Deutschland enthalten, sondern seien lediglich ein Anhaltspunkt für die Veranlagung von
Kapitalerträgen aus dem Ausland und Ausgangspunkt für weitere Prüfungen. Die Bundesregierung weist
darauf hin, aufgrund des Informationsaustausches bestehe ein „hohes Entdeckungsrisiko für
Steuerpflichtige, die nicht alle entsprechenden Einkünfte in ihrer Steuererklärung angeben.
Dies teilte der Pressedienst des Deutschen Bundestags (hib) mit.

BFH erleichtert für Unternehmen den Vorsteuerabzug aus Rechnungen

By Allgemein, Kanzlei News, Selbstständige, Unternehmen

Eine Rechnung muss für den Vorsteuerabzug eine Anschrift des leistenden Unternehmers enthalten,
unter der er postalisch erreichbar ist. Wie der Bundesfinanzhof (BFH) mit zwei Urteilen vom 21.
Juni 2018 entschieden hat, ist es nicht mehr erforderlich, dass die Rechnung weitergehend einen Ort
angibt, an dem der leistende Unternehmer seine Tätigkeit ausübt.