Auflösungsvertrag ist nicht unbedingt steuerschädlich

By 27. Juni 2017 Juni 14th, 2018 Privatpersonen

Das Finanzgericht Münster hat entschieden, dass eine Abfindung auch dann ermäßigt zu
besteuern ist, wenn der Zahlung ein einvernehmlicher Auflösungsvertrag zu Grunde liegt.

Der Kläger war als Verwaltungsangestellter bei einer Stadt beschäftigt. Dieses Arbeitsverhältnis beendeten
er und seine Arbeitgeberin durch einen Auflösungsvertrag im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig. In
diesem Vertrag war auch die Zahlung einer Abfindung an den Kläger geregelt.

Das Finanzamt versagte die vom Kläger begehrte ermäßigte Besteuerung der Abfindung, weil nicht
erkennbar sei, dass er bei Abschluss des Abfindungsvertrages unter einem erheblichen wirtschaftlichen,
rechtlichen oder tatsächlichen Druck gestanden habe. Der Kläger gab demgegenüber an, dass eine
Konfliktlage bestanden habe, weil er sich seit mehreren Jahren um eine Höhergruppierung bemüht und
diesbezüglich mit Klage gedroht habe.

Voraussetzungen einer steuerbegünstigten Entschädigung

Das genügte dem Gericht. Die Abfindung erfülle sämtliche Voraussetzungen einer steuerbegünstigten
Entschädigung, so die Richter. Der Kläger habe durch den Abschluss des Auflösungsvertrages einen
Schaden in Form des Wegfalls seines zukünftigen Arbeitslohns erlitten. Die Abfindung sei unmittelbar zum
Ausgleich dieses Schadens bestimmt gewesen. Der Steuerermäßigung stehe nicht entgegen, dass der
Kläger auf seine Arbeitgeberin zugegangen war und den Abschluss des Auflösungsvertrags eingefordert
hatte.

Für die von der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs geforderte Konfliktlage zur Vermeidung von
Streitigkeiten reiche es bereits aus, dass zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine gegensätzliche
Interessenlage bestand, die die Parteien im Konsens lösen. Anders hätte der Fall gelegen, wenn der Kläger
ohne Auflage des Programms zur Personalreduzierung die vorzeitige Auflösung seines Arbeitsverhältnisses
gegen Abfindung begehrt und vorangetrieben hätte, betonten die Richter.