Leiharbeitnehmer dürfen Dienstreisekosten abziehen

By 30. Januar 2017 Juni 14th, 2018 Privatpersonen, Unternehmen

Bislang war die Frage offen, ob der Betrieb, in den Leiharbeitnehmer eingesetzt werden, ihre
erste Tätigkeitsstätte darstellt oder nicht. Davon hängt in entscheidender Weise die Höhe ihres
Fahrtkostenabzugs ab. Das Niedersächsische Finanzgericht sorgte jetzt für Klarheit – und beließ den
Leiharbeitnehmern die umfangreicheren Abzugsmöglichkeiten nach Dienstreisekostengrundsätzen.

Zur bis 2013 geltenden Rechtslage war der Bundesfinanzhof (BFH) zu dem Schluss gelangt, dass
Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer typischerweise nicht über eine regelmäßige Arbeitsstätte
verfügen und daher die Fahrtkosten zu dem Entleihbetrieb nach Dienstreisekostengrundsätzen (0,30 Euro
pro gefahrenen Kilometer) berechnen können. Fraglich war, ob dies auch noch nach dem neuen
Reisekostenrecht gilt. Danach sind Fahrtkosten zwischen dem Wohnort und der sog. „ersten
Tätigkeitsstätte“ auf die Entfernungspauschale (0,30 Euro pro Entfernungskilometer) – und damit auf die
Hälfte des Abzugs – begrenzt.

Es profitieren fast eine Million Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer

Im verhandelten Fall hatte ein Mann als Leiharbeiter beinahe ununterbrochen drei Jahre lang im selbem
Betrieb gearbeitet. Das Finanzamt wollte daher den beantragten Werbungskostenabzug von
Aufwendungen für Fahrten zwischen der Wohnung und dem Entleihbetrieb (0,30 Euro pro gefahrenen
Kilometer) nicht anerkennen und billigte dem Mann lediglich die Entfernungspauschale zu. Die dauerhafte
Zuordnung zum Entleihbetrieb begründe eine erste Tätigkeitsstätte, so die Argumentation.

Das sahen die Richter anders: Die Zuweisung des Leiharbeitsgebers, „bis auf Weiteres“ in einer
betrieblichen Einrichtung des Entleihers tätig zu sein, könne nicht als unbefristet angesehen werden.

Allein aufgrund der gesetzlichen Beschränkung der Arbeitnehmerüberlassung sei ohnehin generell keine
dauerhafte Zuordnung zu einem Entleihbetrieb denkbar. Von den Auswirkungen der Entscheidung profitiert
fast eine Million Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer in Deutschland.