Erstattete Krankenversicherungsbeiträge mindern Sonderausgabenabzug

By 12. Oktober 2016 Juni 14th, 2018 Privatpersonen

Erstattete Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung sind mit den in demselben
Veranlagungsjahr gezahlten Beiträgen zu verrechnen. Es kommt dabei nicht darauf an, ob und in welcher
Höhe der Steuerpflichtige die erstatteten Beiträge im Jahr ihrer Zahlung steuerlich abziehen konnte, wie
der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden hat.

Im Urteilsfall hatte die private Krankenversicherung dem Kläger im Jahr 2010 einen Teil seiner im Jahr
2009 für sich und seine Familienmitglieder gezahlten Beiträge für die Basiskranken- und
Pflegeversicherung erstattet. Diese Beiträge hatte der Kläger im Jahr 2009 lediglich in einem nur
begrenzten Umfang steuerlich geltend machen können. Erst seit dem Bürgerentlastungsgesetz
Krankenversicherung sind ab 2010 die Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung in voller Höhe
als Sonderausgaben abziehbar.

Unterschiedliche Rechtsprechung der Finanzgerichte
Nach ständiger Rechtsprechung sind erstattete Sonderausgaben, zu denen u.a.
Krankenversicherungsbeiträge gehören, mit den in diesem Jahr gezahlten gleichartigen Sonderausgaben
zu verrechnen. Daher minderte das Finanzamt im Streitfall die abziehbaren Sonderausgaben des Klägers.
Hiermit war der Kläger nicht einverstanden. Seine Klage vor dem Niedersächsischen Finanzgericht hatte
Erfolg (Urteil vom 18.12.2013, 4 K 139/13), in Parallelfällen gaben andere Finanzgerichte hingegen der
Finanzverwaltung Recht.

BFH lässt Verrechnung zu
Der BFH wies im Streitfall auf Revision des Finanzamts die Klage mit Urteil vom 6. Juli 2016 (Az. X R 6/14)
ab. Nach dem Urteil ist die Beitragsverrechnung auch dann vorzunehmen, wenn die erstatteten Beiträge
im Jahr ihrer Zahlung nur beschränkt abziehbar waren. An der Verrechnung von erstatteten mit gezahlten
Sonderausgaben habe sich durch das Bürgerentlastungsgesetz Krankenversicherung nichts geändert. Für
die Gleichartigkeit der Sonderausgaben als Verrechnungsvoraussetzung seien die steuerlichen
Auswirkungen nicht zu berücksichtigen. Die Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen führe auch
dann zu keinem anderen Ergebnis, wenn aufgrund der Neuregelung die Sonderausgaben nicht mehr
beschränkt, sondern unbeschränkt abziehbar sind.

BFH: Verrechnung steht nicht im Widerspruch zum Bundesverfassungsgericht
Die im Jahr 2010 vorgenommene Verrechnung steht schließlich nicht im Widerspruch zur Rechtsprechung
des Bundesverfassungsgerichts, nach der ab dem Jahr 2010 die Kranken- und Pflegeversicherungskosten
steuerlich zu berücksichtigen sind, soweit sie den verfassungsrechtlich gebotenen Basisschutz
gewährleisten. Denn dies gilt nur für die Aufwendungen, durch die der Steuerpflichtige tatsächlich
wirtschaftlich endgültig belastet wird. Zwar führen die Beitragszahlungen zu einer wirtschaftlichen
Belastung. Diese entfällt aber im Umfang der gleichartigen Beitragsrückerstattungen.

Ebenso hat der BFH in zwei Parallelfällen mit Urteilen vom 6. Juli 2016 (Az. X R 22/14) und vom 3. August
2016 (Az. X R 35/15) entschieden.