SEPA - der neue europäische Zahlungsverkehr

Was ist SEPA und was sind die Ziele von SEPA?

Traditionell besteht in jedem Land ein nationales Zahlungsverkehrssystem. Dies umfasst

  • Rechtsnormen und Interbankenvereinbarungen
  • technische und organisatorische Standards (z. B. Überweisungsformulare, Bankleitzahlensysteme)
  • Clearingstellen und
  • Softwarelösungen

 

Parallel hierzu bestehen internationale Zahlungsverkehrsformate (z. B. SWIFT). Die Auslandszahlungen können um ein Vielfaches teurer sein als die Inlandszahlungen. Auch die Fehlerquote ist bei Auslandszahlungen viel höher bei den Inlandszahlungen, da die Auftraggeber die Zahlungsverkehrssysteme des Empfängerlandes nicht kennen und daher falsche Angaben machen. Im Rahmen der Schaffung eines Europäischen Binnenmarktes beklagt die EU-Kommission seit vielen Jahren, dass dies ein erhebliches Hindernis für den grenzüberschreitenden Handel darstellt.

Ein wichtiger Schritt zu einem europäischen Währungsraum ist die Schaffung eines einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraumes, der sogenannten Single Euro Payments Area, kurz SEPA genannt.

Ziel des SEPA ist es, bargeldlose Zahlungen innerhalb der Teilnehmerländer, d.h. der Staaten des EWR sowie der Schweiz und Monaco, so zu standardisieren, dass es für die Bankkunden keine Unterschiede mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen gibt und dass Unternehmer und Verbraucher bargeldlose Zahlungen im Inland wie auch über die Ländergrenzen hinweg gleichermaßen einfach und bequem durchführen können.

Die Vorteile des SEPA-Zahlverfahrens liegen auf der Hand. Es:

  • erleichtert den Zahlungsverkehr zwischen den teilnehmenden Ländern
  • schafft den Float, d.h. die zeitliche Differenz zwischen dem Gutschriftszeitpunkt beim Zahlungsempfänger und dem Belastungszeitpunkt beim Zahlungspflichtigen bei Lastschriften, ab und beschränkt den Float bei Überweisungen auf einen Tag (seit 2012).
  • ersetzt bestehende Speziallösungen z.B. für grenzüberschreitende Lastschriften durch Standards
  • verringert die benötigte Schnittstellenanzahl zwischen den Zahlungsverkehrs-Systemen durch den Einsatz des XML-Formats (SCT, SDD und später auch AZV)
  • reduziert die Vielfalt der Datenformate und vermeidet den Datenverlust durch Konvertierung
  • schafft einen gemeinsamen Rechtsrahmen für die Zahlungsverkehrstransaktionen in Europa
  • fördert die Entwicklung gemeinsamer Standards, Prozesse, Datenformate und Softwarelösungen
  • führt mittelfristig zur Ablösung der nationalen Zahlungsverkehrssysteme.

Insbesondere der letzte Punkt ist wesentlich, da das parallele Bestehen nationaler und EU-weiter Zahlungsverkehrssysteme zu höheren Kosten führt und die Durchsetzung der EU-Normen verlangsamen oder verhindern würde.

SEPA – der neue Zahlungsverkehr in Deutschland und Europa

Am 30. März 2012 wurde die Verordnung (EU) Nr. 260/2012 des europäischen Parlaments und des Rates vom 14. März 2012 zur Festlegung der technischen Vorschriften und der Geschäftsanforderungen für Überweisungen und Lastschriften in Euro und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 924/2009 veröffentlicht und trat damit in Kraft.

 

SEPA für Verbraucher

Für private Bankkunden wird der Wechsel zum SEPA-Zahlverfahren fast unbemerkt stattfinden. Sie müssen lediglich bei der Mandatserteilung für eine Lastschrift die IBAN und bei grenzüberschreitenden Lastschriften zusätzlich den BIC angegeben. Insofern empfiehlt es sich auch für diesen Personenkreis, sich trotz der Konvertierungsdienste mit IBAN und BIC vertraut zu machen.

Der Verbraucherschutz wird bei Lastschriften auf jeden Fall verbessert.

Nach der SEPA-Verordnung können Verbraucher

  • Lastschrifteneinzüge auf einen bestimmten Betrag oder eine bestimmte Periodizität oder beides begrenzen
  • Ein Zahlungskonto gänzlich für Lastschriften blockieren
  • Listen vertrauenswürdiger (white lists) und nicht vertrauenswürdiger („black lists) Zahlungsempfänger erstellen.

 

SEPA für Unternehmen

Für Unternehmen hingegen wird die Umstellung auf SEPA je nach Nutzungsumfang arbeitsintensiver und mittelfristig auch kostenintensiver sein.

Durch die gesetzlich vorgeschriebene Abschaltung der nationalen Euro-Zahlungsverfahren stehen die Unternehmen jetzt vor die Herausforderung, die SEPA-Umstellung erfolgreich und rechtzeitig zu meistern und auf dem IT-Sektor die Zahlungsverkehrsanwendungen und Buchhaltungssysteme für die Abwicklung von SEPA-Zahlungen fit zu machen.

Vielfach sind die Zahlungsverkehrsanwendungen so in die Software-Architektur eingebunden, dass sich Wechselwirkungen mit anderen Programmen ergeben. Diese Wechselwirkungen sollten genau analysiert werden.

Beispielsweise müssen die von Unternehmen genutzten Electronic-Banking-Produkte für das SEPA-Zahlverfahren fit gemacht und die bei SEPA-Zahlungen verwendeten Angaben zu Bankverbindungen (IBAN und BIC) in den Buchhaltungs- und Zahlungssystemen hinterlegt werden. Die Banken bieten mit IBAN-Konvertern Hilfestellung bei der Umwandlung von Kontonummer und Bankleitzahl in IBAN und BIC.

Passiv ist jedes Unternehmen in der Vergangenheit schon mit SEPA-Zahlungen in Berührung gekommen. SEPA-Zahlungen wurden in Form von Gutschriften und Belastungen in der Buchhaltung verarbeitet.

Anpassungsbedarf im Unternehmen

Empfehlenswert ist, alle Unternehmensbereiche zu analysieren, strategische Grundsatzentscheidungen zu treffen und die Unternehmensstrukturen und -prozesse gegebenenfalls anzupassen.

In erster Linie sollte aber die Struktur der Konten/Kontoverbindungen und das Zusammenspiel mit den Geschäfts- bzw. Handelspartnern auf den Prüfstand gestellt werden. In erster Linie sind folgende Aufgaben zu erledigen:

  • Benennung eines SEPA-Verantwortlichen
  • Erfragung und Hinterlegung der IBAN und BIC der Lieferanten/Zahlungspflichtigen
  • Kommunikation mit den Geschäfts- bzw. Handelspartnern über das Thema SEPA
  • Gegebenenfalls Durchführung von Strukur- und Prozessänderungen im Finanzmanagement. Z.B. stellt sich die Frage, ob einheitliche statt lokaler Formate genutzt werden können oder ob einheitlichen Abwicklungsprozesse und Dokumentationen der Zahlungsverkehrsprozesse erforderlich sind (SOX-relevant?).

Aber auch die verwendeten Systeme sind von Bedeutung. Schwerpunkt der Analyse sind die eingesetzten Datenbanken, die Treasury-Systeme und die eBanking-Software.

Hier geht es um die Fragen,

  • Auf welche Datenbanken und Systeme die SEPA-Daten zu implementieren sind.
  • Ist das ERP-System (Enterprise Ressource Planung) auf die SEPA-Einführung vorbereitet oder sind – falls die Software nicht zu den neuen Anforderungen passt Anpassungen notwendig. In diesem Fall sollte baldmöglichst der zuständige Software-Anbieter mit ins Boot genommen werden.        

Was die Arbeitsabläufe und Prozesse im Unternehmen angelangt, so steht die Analyse der Zahlungsverkehr-Systeme im Mittelpunkt.

 

SEPA-Themenbereiche

1.    Kundenkennung mit IBAN und BIC

Die Kundenkennungen für SEPA-Zahlungen heißen IBAN (International Bank Account Nummer) und BIC (Business Identifier Code). Beide Identifizierungskennzeichen werden für die Weiterleitung von SEPA-Zahlungen genutzt.

Aufbau IBAN und BIC

IBAN ist international einheitlich zusammengesetzt und besteht aus einem Länderkennzeichen, einer Prüfziffer sowie einer nationalen Komponente – in Deutschland sind das die Bankleitzahl des Kreditinstituts und die Kontonummer. Die IBAN ist in Deutschland 22 Stellen lang.

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BIC (früher Swift-Code) identifiziert das Kreditinstitut eindeutig und ist 8 bis 11 Stellen lang.

 

2.    Überweisungen und Lastschriften

Ab dem 1. Februar 2014 müssen Unternehmen grundsätzlich für alle Überweisungen und Lastschriften in Euro im SEPA-Raum die SEPA-Überweisungen und –Lastschriften verwendet werden. Dafür muss neben der IBAN das XML-Format ISO 20022 bei gebündelter elektronischer Einlieferung verwendet werden. Dadurch wird eine durchgängige vollautomatische Verarbeitung des Zahlungsprozesses ermöglicht, bei dem keine erneute Dateneingabe oder andere manuelle Eingriffe notwendig sind.

 

Überweisungen

SEPA-Überweisungen weisen gegenüber den bisherigen nationalen Überweisungen bzw. der EU-Standardüberweisung folgende Unterschiede auf:

  1. Überweisungen in EURO können ohne Betragsgrenze auf Konten in Deutschland und den anderen 31 Teilnehmerländern vorgenommen werden.
  2. Als Kundenkennung werden ausschließlich IBAN und ggf. BIC genutzt.
  3. Auf beleglos erteilte Aufträge findet das SEPA-Datenformat Anwendung, das den XML-basierten ISO 20022 Standard konkretisiert 
  4. Beleglose SEPA-Überweisungsaufträge werden spätestens am ersten Geschäftstag nach Zugang beim Kreditinstitut des Zahlungspflichtigen dem Konto des Zahlungsempfängers gutgeschrieben (beleghafte SEPA-Überweisungen plus 1 Geschäftstag).
  5. Verwendungszweckangaben des Auftraggebers werden dem Empfänger ungekürzt mit bis zu 140 Zeichen übermittelt (bisher 378 Zeichen)
  6. Rückgaben von SEPA-Überweisungen erfolgen europaweit nach einheitlichen Regeln
  7. Sammelüberweisungen sind nur noch im Online-Verfahren möglich – keine beleghafte Einreichung mehr möglich.
  8.  Entgeltteilung: Jeder zahlt die Entgelte seines Kreditinstitut  

 

SEPA –Basis- Lastschrift-Verfahren

  1. Um SEPA-Basis-Lastschriften einreichen zu können, ist ein vom Zahlungspflichtigen unterschriebenes SEPA-Lastschriftmandat durch den Zahlungsempfänger einzuholen. Dieses Mandat ermächtigt den Zahlungsempfänger, Lastschriften auf das Konto des Zahlungspflichtigen zu ziehen und weist zugleich dessen Bank an, die Einlösung vorzunehmen.
  2. Als Lastschrifteinreicher in den Lastschriftverfahren wird eine Gläubiger-Identifikationsnummer (Kreditor Identifier) benötigt. Diese muss grundsätzlich angegeben werden, wenn Mandate eingeholt und Lastschriften erstellt werden.
  3. SEPA-Lastschriftmandate sind unbefristet gültig. Sofern 36 Monate seit dem ersten bzw. letzten Lastschrifteinzug vergangen sind und kein erneuter Lastschrifteinzug erfolgt ist, verfällt das SEPA-Lastschriftmandat.
  4. Vor einem Lastschrifteinzug muss der Zahlungsempfänger den Zahlungspflichtigen über Fälligkeitsdatum und den fälligen Betrag mittels Vorankündigung (Pre-Notification) informieren. Diese Information kann auch als Teil einer Rechnung oder eines Vertrages unter Angabe der Gläubiger-Identifikationsnummer und der jeweiligen Mandatsreferenz erfolgen. Soweit nichts anderes mit dem Zahlungspflichtigen vereinbart wurde, muss der Zahlungsempfänger den Lastschrifteinzug spätestens 14 Tage vor Fälligkeit ankündigen.
  5. Bei der Einreichung von SEPA-Lastschriften sind Mindesteinreichungsfristen vor dem Fälligkeitsdatum zwingend zu beachten.
  6. Der Zahlungspflichtige hat das Recht, innerhalb von acht Wochen nach der Belastung eine Erstattung des Lastschriftbetrages ohne Angabe von Gründen zu verlangen.
  7. Sollte ein Einzug erfolgen, ohne das der Zahlungspflichtige ein SEPA-Lastschriftmandat erteilt hat, besteht der Erstattungsanspruch bis zu 13 Monate nach der Belastungsbuchung.
  8. Das SEPA-Datenformat, das den XML-basierten ISO 20022 Standard konkretisiert, findet Anwendung.D

SEPA –Firmen- Lastschrift-Verfahren

Für das Geschäft zwischen Unternehmen wurde diese Variante des Lastschrift-Verfahrens geschaffen, um Zahlungsrisiken, die in der mangelnden Bonität des Käufers begründet sein können, zu reduzieren.

Folgende Punkte beschreiben die wesentlichen Unterschiede zum SEPA-Basis-Lastschrift-Verfahren:

  1. Einzüge erfolgen nur zwischen Firmen
  2. Erstattungsansprüche des Zahlungspflichtigen gegenüber seinem Kreditinstitut werden ausgeschlossen. Dieser Ausschluss muss im Text des SEPA-Firmen-Lastschriftmandats ausdrücklich erklärt sein.
  3. Die Einlösung einer SEPA-Firmen-Lastschrift durch das Kreditinstitut des Zahlungspflichtigen erfolgt nur, wenn der Zahlungspflichtige dem Kreditinstitut die Erteilung des Mandats vor der ersten Belastung bestätigt
  4. Die Vorlagefrist beträgt einheitlich sowohl für die Erst- als auch für die Folgelastschrift 1 Tag vor Fälligkeit.

SEPA- Lastschriftmandat

Voraussetzung für den Einzug von SEPA-Lastschriften sind verfahrensspezifische SEPA-Lastschriften. Einzugsermächtigungen können unter bestimmten Bedingungen (siehe: Weiternutzung der Einzugsermächtigung) als SEPA-Lastschriftmandate weitergenutzt werden.

Ein SEPA-Lastschriftmandat ist ein vom Zahlungspflichtigen unterschriebenes Dokument, das vom Zahlungsempfänger einzuholen ist. Das Mandat ist grundsätzlich „papierhaft“ mit der hündischen Unterschrift des Zahlungspflichtigen zu erteilen. Die Erteilung des Mandats kann ausnahmsweise beleglos erfolgen, wenn eine qualifizierte elektronische Unterschrift zum Einsatz kommt.

Das Mandat ermächtigt den Zahlungsempfänger, Lastschriften auf das Konto des Zahlungspflichtigen zu ziehen und weist zugleich dessen Bank an, die Einlösung vorzunehmen.

Beispiel:

„Ich ermächtige / wir ermächtigen den Zahlungsempfänger, Zahlungen von meinem Konto / unserem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich / weisen wir mein / unser Kreditinstitut an, die von dem genannten Zahlungsempfänger auf meinem / unsere Konto gezogenen Lastschriften einzulösen.

Das SEPA-Lastschriftmandat muss folgende Angaben enthalten:

Daten des Zahlungspflichtiger

·          Name

·          Adresse

·          Kundenkennung (IBAN und BIC)

·          Datum und Unterschrift

Zahlungsempfänger-Daten

·          Name

·          Adresse

·          Gläubiger-Identifikationsnummer

·          Mandatsreferenz (z.B. Kundennummer)

·          Kennzeichnung, ob das SEPA-Lastschriftmandat für wiederkehrende    Zahlungen oder eine einmalige Zahlung gegeben wird.

·          SEPA-Lastschriftmandat 

 

Weiternutzung der Einzugsermächtigung im SEPA-Basis-Lastschriftverfahren

Bestehende rechtswirksame Einzugsermächtigungen bleiben gültig und gelten als Zustimmung des Zahlungspflichtigen, die Lastschriften künftig im SEPA-Basislastschriftverfahren auszuführen. Zieht der Zahlungsempfänger Lastschriften ein, dann muss der Zahlungspflichtige unbedingt vor dem tatsächlichen ersten Einzug mittels einer SEPA-Basis-Lastschrift den Verfahrenswechsel ankündigen – dabei muss auch die Gläubiger-Identifikationsnummer und die Mandatsreferenz (z.B. über Rechnungen oder Vertragsänderungen) mitgeteilt werden. Als Datum des SEPA-Lastschriftmandats ist das Datum der Umstellungsinformation an den Kunden zu verwenden.

Eine Weiternutzung von Abbuchungsaufträgen ist nicht möglich. Um das SEPA-Firmen-Lastschriftverfahren zu nutzen, muss das neue SEPA-Firmen-Lastschriftmandat eingeholt werden. Zahlungsempfänger und Zahlungspflichtiger müssen sich daher entweder auf die Nutzung des SEPA-Basis- oder des SEPA-Firmenlastschriftverfahrens verständigen.

Da von Verbrauchern keine SEPA-Firmen-Lastschriftmandate erteilt werden dürfen, müssen für diese Schuldverhältnisse eventuell neue SEPA-Lastschriftmandate für die SEPA-Basis-Lastschrift eingeholt werden. 

 

3.    Mandatsverwaltung

Die Daten eines neuen oder geänderten SEPA-Lastschriftmandats sind idealerweise in eine Mandatsverwaltung der Zahlungsverkehrsanwendung zu überführen bzw. mit dieser zu verknüpfen.

Eine Mandatsverwaltung, d.h. die Mandatsneuanlage, Mandatsänderung, Mandatslöschung, kann entweder in einem führenden Anwendungssystem integriert (z.B. bei DATEV) oder als eine eigenständige Softwarelösung erstellt werden. In beiden Fällen sind zu den betroffenen Rechnungslegungs- und Archivierungssystemen ggf. neue bzw. anzupassende Schnittstellen erforderlich. Eine weitere Abhängigkeit besteht bei der Erzeugung des Druckoutputs.

Jede Änderung, die sich auf ein Mandat bezieht, muss in der Mandatsverwaltung elektronisch versioniert und historisiert abgelegt werden. Die Dokumentation des mit dem Zahlungspflichtigen geführten Schriftwechsels kann weiterhin über die bisher genutzten Systeme erfolgen.

Mandatsstamm- und Mandatsbewegungsdaten werden für die Erzeugung und Verarbeitung von SEPA Lastschrift Dateien (XML Format) benötigt.  

Bei Änderungen des Mandats ist sicherzustellen, dass für den nächsten Inkassovorgang die aktualisierten Daten mit dem Hinweis auf den alten und den neuen Wert herangezogen werden (z.B. in der Rechnung).

Widerrufe oder Rücklastschriften mit Rückgabegrund „Es liegt kein gültiges Mandat vor“ (MD01, müssen in der Mandatsverwaltung gekennzeichnet werden, damit keine weiteren Einzüge erfolgen.

Bei Widerruf des Zahlungspflichtigen oder wenn innerhalb von 36 Monaten seit dem ersten bzw. letzten Einzug keine erneute Lastschrift gezogen wurde müssen SEPA-Lastschriftmandate deaktiviert werden.

SEPA-Lastschriftmandate müssen einschließlich der Änderungen auch im Orginal aufbewahrt werden.

 

4. Gläubiger-Identifikationsnummer und Mandatsreferenz

Die Gläubiger-Identifikationsnummer und Mandatsreferenz (entspricht der Kunden- oder Vertragsnummer) werden über den gesamten Zahlungsprozess mitgeführt. Dadurch hat der Zahlungspflichtige bzw. sein Kreditinstitut bei Vorlage einer SEPA-Lastschrift die Möglichkeit zu prüfen, ob die Belastung vereinbarungsgemäß erfolgt ist.

Die Gläubiger-Identifikationsnummer ist wie folgt aufgebaut:

Sie muss unter www.glaeubiger-id.bundesbank.de beantragt werden.

Die Mandatsreferenz wird vom Lastschrifteinreicher für jedes SEPA-Mandat individuell vergeben.

In Verbindung mit der Gläubiger-ID dient sie der eindeutigen Identifizierung eines SEPA-Mandats. Die Länge (max. 35 Stellen) und der Aufbau der Mandatsreferenz können vom Lastschrifteinreicher festgelegt werden. Sinnvoll kann es sein, bestehende Kunden- oder Vertragsnummern zu verwenden.

Folgende weitere Bestandteile des Mandats sind zwingend anzugeben:

  • Name und Adresse des Gläubigers
  • Angabe, ob das Mandat für wiederkehrende Zahlungen oder eine einmalige Zahlung gegeben sind
  • Name, Adresse, Kontoverbindung und Unterschrift des Kontoinhabers sowie Daum der Unterschrift.

5.    Pre-Notification (Vorabinformation)

Der Zahlungsempfänger muss den Zahlungspflichtigen vor dem Versand der Lastschrift an das Kreditinstitut über die Belastung informieren, vorzugsweise per Rechnung. Es sind jedoch auch Benachrichtigungen per Brief, vertrag, Mail, Fax oder über das Internet möglich. Die Bank des Zahlungsempfängers muss nicht prüfen, ob eine Vorabinformation vorliegt, da diese nur das Vertragsverhältnis zwischen dem Zahlungspflichtigen und dem Zahlungsempfänger betrifft.

Die Vorabinformation muss das Fälligkeitsdatum und den genauen Betrag enthalten und kann auch mehrere Lastschrifteinzüge ankündigen. Sie muss dem Zahlungspflichtigen rechtzeitig (mindestens 14 Kalendertage vor Fälligkeit, sofern keine andere Frist vereinbart wurde) vor Fälligkeit zugesandt worden sein, damit er sich auf die Kontobelastung einstellen und für entsprechende Deckung sorgen kann.

Beispiel einer Benachrichtigung mittels Telefonrechnung (pro Einzug):

Die Forderung von € <Betrag> ziehen wir mit der SEPA-Lastschrift zum Mandat 98765 zu der Gläubiger-Identifikationsnummer Dexxxx von Ihrem Konto IBAN De<20Stellen> bei der AB Bank <Bank-Kennung> zum Fälligkeitstag <Tag. Monat Jahr> ein.

Fällt der Fälligkeitstag auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt sich der Fälligkeitstag auf den 1. folgenden Werktag.

Bei wiederkehrenden Lastschriften muss der Zahlungspflichtige nur vor der ersten Lastschrift mit Angabe der künftigen Fälligkeitstermine unterrichtet werden.

Beispiel einer Benachrichtigung mittels Mietvertrag (einmalige Information bei wiederkehrenden SEPA-Lastschriften):

Die Miete von € <Betrag> ziehen wir mit einer SEPA-Lastschrift zum Mandat 98765 zu der Gläubiger-Identifikationsnummer DE<16 Stellen> von Ihrem Konto IBAN DE<20 Stellen> bei der AB Bank <Bank-Kennung> zum jeweils 1. des Monats, beginnend mit dem <Tag.Monat.Jahr> ein. Fällt der Fälligkeitstag auf ein Wochenende oder einen Feiertag, verschiebt sich der Fälligkeitstag auf den 1. folgenden Werktag.

Firmen die in ihren Geschäftsmodellen häufige Lastschriften ohne vorherige Information des Kunden ausführen sollten sich dringend mit den Möglichkeiten der Übermittlung der SEPA Pre–Notification befassen.
Betroffen sind beispielsweise Kundenkartensysteme an Tankstellen oder Waschanlagen, die Lastschriften ohne schriftliche Kommunikation generieren.

Neben der Gläubiger-Identifikationsnummer sind dem Zahlungspflichtigen die Mandatsreferenz, der Betrag und Belastungstermin mitzuteilen.

Auf die Vorabinformation kann nicht vertraglich verzichtet werden.

Eine fehlende Vorabinformation führt nicht dazu, dass die Lastschrift zu einer unautorisierten Lastschrift wird.

 

6.    Handlungsempfehlungen

Der Umfang der Veränderungen durch SEPA ist zumindest in Unternehmen beträchtlich. Die Einführung erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Es wird empfohlen, rechtzeitig einen Aufgaben- und Zeitplan zu erstellen, der die wichtigen Aktivitäten vor und während der Umstellung auf SEPA wiedergibt.

Aktion / Aufgabe

Zeitrahmen

SEPA-Verantwortlichen benennen

September/ Oktober 2013

Umstellungsplan erstellen

Ggf. Geschäftsprozesse analysieren und prüfen, in welchen Bereichen Anpassungsbedarf bezüglich der SEPA-Einführung besteht.

Gläubiger-Identifikationsnummer bei der Deutschen Bank beantragen

Umwandlung der Kontonummern und BLZ in IBAN und BIC mit Hilfe eines von den Banken bereitgestellten IBAN-Assistenten

Die gängigen Verfahren für Sammelüberweisungen werden teilweise mit der Einführung von SEPA von Kreditinstituten nicht mehr unterstützt:

DATEV-Sammelverfahren mit Begleitzettel

Sammelüberweisung (auf Papier)

Klärung mit dem Kreditinstitut.

Umstellung der Geschäftskorrespondenz (Geschäftsbriefe, Rechnungen, Mahnungen usw.) auf IBAN und BIC

Prüfung, welche Kunden mit Ihnen im Lastschriftverfahren oder Abbuchungsverfahren zusammenarbeiten

Überprüfen, ob schriftliche Einzugsermächtigungen im Orginal und unterschrieben existieren (diese bleiben weiterhin gültig)

Einholung SEPA-Lastschriftmandate von Kunden, deren Einzugsermächtigung die o.g. Anforderungen nicht erfüllt.

Zukünftige Gestaltung der Vorabinformation (Pre-Notification) definieren, insbesondere Festlegung der Form und der Fristen

Ggf. Einbindung von SEPA-Lastschriftmandaten in die eigenen Verträge

Aufbau der Mandatsverwaltung

ab Oktober 2013

Schrittweise Umstellung der Überweisungen und Lastschriften auf das SEPA-Zahlverfahren

Ende 2013

Es gilt nur noch das SEPA-Zahlverfahren

01.02.2014

 

Der Beitrag ist nach bestem Wissen erstellt. Eine Haftung für den Inhalt kann jedoch nicht übernommen werden.

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